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19.01.2012

Foto: reuters

Razzia bei Ratingagentur

Italiens Finanzpolizei filzt S&P-Büros

von Bayer Tobias

Die italienische Finanzpolizei knöpft sich Standard & Poor's (S&P) vor. Beamte der Guardia di Finanza durchsuchten einem Medienbericht zufolge die Büros der amerikanischen Ratingagentur in Mailand.

Beamte der italienischen Finanzpolizei haben am Donnerstag die Geschäftsräume von S&P in Mailand durchsucht. Das berichtet die Nachrichtenagentur Ansa. Die Razzia steht im Zusammenhang mit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Trani. Sie geht unter anderem dem Verdacht des Insiderhandels und des Marktmissbrauchs nach. Auch gegen Moody's wird vorgegangen.

In Italien stehen die Ratingagenturen schon seit längerem am Pranger. Viele halten die Einstufungen der Bonitätswächter für zu harsch und politisch motiviert. Sie machen sie mitverantwortlich für die Vertrauenskrise am Kapitalmarkt. Nachdem S&P Italien am vergangenen Freitag um zwei Stufen herabgesetzt hatte, flammte die Diskussion neu auf.

Der Chef der italienischen Finanzaufsicht Consob, Giuseppe Vegas, schrieb einen Brief an die europäische Aufsichtsbehörde Esma. Darin forderte er eine Untersuchung, ob S&P alle Sorgfaltskriterien eingehalten habe. Vegas spricht von "Interessenskonflikten", weil große Fondsgesellschaften an den drei großen Ratingagenturen S&P, Moody's und Fitch beteiligt seien - und dadurch vielleicht einen unfairen Vorteil hätten.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Trani reichen weit zurück. Ausgelöst wurden sie durch einen Bericht von Moody's, der am 6. Mai 2010 veröffentlicht worden war. Daran hatte die Ratingagenturen davon gesprochen, dass Italien wie Griechenland und Spanien bedroht sei. Die Verbraucherschutzorganisationen Adusbef und Federconsumatori hatten daraufhin der US-Gesellschaft vorgeworfen, nicht wahrheitsgetreue Aussagen über die italienische Wirtschaft und die italienischen Banken verbreitet zu haben.

Drei Analysten von S&P wird nun unterstellt, den Markt manipuliert und privilegierte Informationen missbraucht zu haben. Es geht um die Monate Mai, Juni und Juli 2011. Ihre Berichte seien "übertrieben und tendenziös" gewesen, vermutet die Staatsanwaltschaft.


© 2012 ftd.de

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