Das Angebot, das Susanne Schulze im Internet Ende Januar in einem Internet-Immobilienportal fand, schien überaus attraktiv: eine 110 Quadratmeter große Vierzimmerwohnung in Hamburg-Rotherbaum für nur 600 Euro Kaltmiete. Normalerweise wird das Doppelte für solch ein Objekt, das zudem als "luxuriös" und "schön" beschrieben wurde, in dieser Lage der Hansestadt fällig.
Nach ihrer Kontaktaufnahme mit dem vermeintlichen Vermieter wurde die ortsfremde Wohnungssuchende allerdings über dessen Antwort stutzig: Der Preis decke auch volle Möblierung und sämtliche Nebenkosten inklusive Parkplatz, Wasser und Strom ab. Unter dem Namen Russell Lawson schrieb der Anbieter auf Englisch, er müsse beruflich als Bauingenieur für fünf Jahre in London arbeiten und sei schon umgezogen, also bei der Schlüsselübergabe nicht dabei. "But you don’t need to worry because I have made all arrangements to rent the apartment from here", mailte ihr der vermeintliche Lawson. Schulze kam der äußerst günstige Preis verdächtig vor. Sie verzichtete auf weitere Kontakte.
Gut für sie, denn sie wäre sonst wahrscheinlich einem Betrüger auf den Leim gegangen. In seiner nächsten Mail hätte der Mann vermutlich Vorkasse für die Schlüsselübergabe per Post verlangt. Per Western Union, TNT oder Money Cash hätte Geld ins Ausland gesendet werden müssen. Und danach wäre der Kontakt abgebrochen. Susanne Schulze hätte das Geld nie wieder gesehen – und auch die annoncierte Wohnung in Hamburg nicht bekommen. "Das Strickmuster ist immer dasselbe, die Geschichten wandeln die Betrüger allerdings immer wieder ab", erläutert Kriminalhauptkommissar Josef Hintermayr von der Kripo München. Der Leiter des für Interentbetrug zuständigen Kommissariats 75 registriert seit rund drei Wochen auch in der bayerischen Landeshauptstadt vermehrt solche Fälle. Denn neben Hamburg sind derzeit offenbar vor allem München, aber auch Frankfurt und Berlin Ziel von Gaunereien mit Mietwohnungsofferten. Betroffen ist aber auch die Schweiz: Die Basler Staatsanwaltschaft warnt ebenfalls vor solchem Nepp. In München sind laut Hintermayr zehn Fälle aktenkundig. Dabei geht es um Summen zwischen 500 und 1500 Euro.
Hintermayr registriert bei Onlinenutzern eine "extreme Sorglosigkeit", die viele in solche Fallen tappen lässt. Ähnliche Schurkenstreiche gibt es seit Jahren bei Gebrauchtwagen und Haustieren. Wohnungssuchenden empfiehlt er, bei besonders günstig erscheinenden Angeboten sich die Adresse vor Ort anzusehen, dort ruhig mal zu klingeln oder bei Nachbarn etwas über die Wohnung in Erfahrung zu bringen. Doch auch wenn man danach einen guten Eindruck erhält, sollte man "niemals in Vorkasse gehen".
Die Betreiber der großen Immobilienportale reagieren erst langsam auf die Betrugswelle – und vor allem mit Ratschlägen. Marktführer Immobilienscout24 alarmierte Ende Februar seine registrierten Nutzer per Mail. Er warnt unter anderem auch vor angeblichen Treuhandkonten: "Weder bietet Immobilienscout24 einen eigenen Treuhandservice an, noch arbeitet das Portal mit einem solchen zusammen." Diesen und weitere Hinweise bietet Immobilienscout24 unter www.sichere-immobiliensuche.de.
Ein Link dorthin findet sich auch auf der Homepage des Portals. Angeboten wird dort auch ein E-Mail-Formular, mit dem skeptische Nutzer dubios erscheinende Annoncen anzeigen können. Konkurrent Immowelt.de warnt ebenfalls auf Seite eins seiner Website vor Schwindlern. Dort wird auch über eine andere Variante der Gaunerei informiert: "Aktuell verlangen einige Betrüger rund 200 Euro für wertlose Listen. Die in diesen Listen angebotenen Wohnungen existieren teilweise nicht. Oder der Betrüger hat einfach Angebote anderer Makler ohne deren Wissen kopiert. Es geht diesen Betrügern nicht darum, Wohnungen zu vermitteln. Sie wollen ausschließlich Geld mit wertlosen Listen abschöpfen."
Der Anbieter verspricht, unseriöse Angebote, die gemeldet wurden, umgehend zu entfernen. Auch überprüfe Immowelt.de seine Datenbank regelmäßig stichprobenartig. "Doch angesichts von fast einer Million Immobilienangeboten im Monat ist es nicht möglich, jedes einzelne Exposé genau unter die Lupe zu nehmen", so Immowelt-Vorstand Ulrich Gros.
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