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24.01.2011
 CAPITAL-SERIE Abgeltungsteuer

Wie lästig wird die Abgeltungsteuer wirklich? Wie steht es mit Renditechancen und Sicherheit? Was muss für meine Vermögensbildung beachtet werden? Ist eine Umschichtung meines Geldes erforderlich? Was kommt auf mich tatsächlich zu?
Capital.de gibt in dieser Serie mit unterschiedlichen Artikeln zur Abgeltungsteuer einen umfassenden Überblick.


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Die Steuer wurde zu Zeiten der Großen Koalition eingeführt, Finanzminister Schäuble muss mit den Steuerausfällen leben
Die Steuer wurde zu Zeiten der Großen Koalition eingeführt, Finanzminister Schäuble muss mit den Steuerausfällen leben
Foto: reuters
Investor-Artikel

Loch in der Staatskasse

Steuern aus Zinserträgen um Milliarden gesunken

Die neue Abgeltungsteuer sollte die Kapitalflucht eindämmen, Schwarzgeld zurückholen und das System vereinfachen. Doch die Ergebnisse sind ernüchternd: Der Fiskus muss ein Minus von 3,7 Mrd. Euro verkraften. Kritiker fordern eine Korrektur.

Die Steuereinnahmen aus Kapitalerträgen sind im vergangenen Jahr stark eingebrochen. Das Aufkommen aus der Abgeltungsteuer sank im Vergleich zum Vorjahr um 3,7 Mrd. Euro. Die Zahlen aus einem Bericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung" bestätigte das Bundesfinanzministerium. 2009 hatten die Steuern auf Erträge aus Zinsen, Dividenden und Wertpapiergeschäften noch 12,4 Mrd. Euro betragen, 2010 waren es nur noch 8,7 Mrd. Euro.

Das Finanzministerium gibt als Grund für die rückläufigen Einnahmen das "im Zuge der Finanzkrise massiv gesunkene Zinsniveau" an. Zudem würden die Einnahmen aus der Besteuerung von Dividenden separat erfasst und seien daher in dieser Rechnung nicht enthalten. Hier habe es im vergangenen Jahr ein Plus von 4,1 Prozent gegeben.

Seit Januar 2009 gilt für Zinserträge, Dividenden und Wertpapiergewinne pauschal eine Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag, die die Banken direkt an den Fiskus abführen. Bei der Einführung hatte die Regierung Steuerausfälle einkalkuliert allerdings nicht in der jetzigen Größenordnung.

Auch für das laufende Jahr muss der Fiskus mit weiter rückläufigen Einnahmen rechnen. Laut Steuerschätzung verringert sich das Aufkommen aus der Steuer auf etwa 8,1 Mrd. Euro. Erst 2012 rechnen die Experten mit einem Plus auf rund 8,7 Mrd. Euro. Vor Einführung der Abgeltungsteuer von 25 Prozent hatte der Staat im Jahr 2008 noch 13,5 Mrd. Euro Steuern aus Kapitalerträgen eingenommen, rund 5 Mrd. mehr als jetzt. Laut Finanzministerium ist der Vergleich aber schief, weil 2008 noch ein Steuersatz von 30 Prozent galt.

Die Steuer war in der Zeit der Großen Koalition unter dem damaligen Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) eingeführt worden mit dem Ziel, Schwarzgeld nach Deutschland zurückzuholen und die illegale Ausfuhr von Kapital zu vermeiden. "25 Prozent von x sind besser als 42 Prozent von nix", hatte Steinbrück erklärt mit dem Hinweis darauf, dass der Satz der pauschalen Abgeltungsteuer unter dem Höchstsatz der Einkommensteuer liegt.

Außerdem wollte der Gesetzgeber damit das System vereinfachen. Steinbrück hielt es für richtig, dass Kapitaleinkünfte einheitlich und mit realtiv niedrigem Steuersatz besteuert werden - und zwar direkt an der Quelle, also gleich bei der Bank oder Sparkasse. Er hatte die Hoffnung, dass es für Sparer, Banken und Finanzamt einfacher wird, die Vorgänge zu durchleuchten - und Fahnder weniger Arbeit hätten.


Was die Leser sagen

Laux
12.02.2011 | 11:16
Berücksichtigung von Werbungskosten wurde gestrichen §9EStG

Werbungskosten sind Aufwendungen die entstehen wenn ich Einkünfte
erzielen will.
Ich hatte in der Vergangenheit mein Aktienengagement auch mit
Wertpapierkrediten untermauert.
Meine Erkenntnis ist, wenn die Aktienkurse im Keller sind habe ich
(als Normalbürgen)keine flüssigen Mittel,wenn jedoch entsprechendes Geld zur Verfügung steht, sind die Kurse zu hoch!
Desweiteren war die Möglichkeit für mich interessant, mit Hochzins-Aktienanleihen relativ sichere Gewinne einzufahren.
Das benötigte Geld bezog ist eben aus Wertpapierkrediten
die am Depotwertbestand gekoppelt waren.
Mit der Neuregelung ab 2009 ist aber auch der steuerfreie
Wertzuwachs nach einem Jahr völlig entfallen.
Das heißt: jeglicher Wertzuwachs wird der vollen Besteuerung unterzogen.
In der Vergangenheit hatte ich, da ich für die mir entstandenen Zinsaufwendungen einen Gegenpart brauchte, Aktien mit hohen Dividenerträgen benötigt.
Ich hatte jährliche Zins-u. Dividenerträge von ca 80.000,-€
dagegen standen jedoch Zinsaufwendungen von ca 55.000,-€
unterm strich hatte ich dann 25.000,-€ zu versteuern.
Für meine Zinsaufwendungen zahlten aber auch die Banken und
die dazu notwendigen Darlehnsgeber auch Steuern.
Nunmehr muss ich mit sehr begrenzten Wertpapierkrediten
mich mit meinem Wertpapierengagement doch auf fast 20%
des üblichen Umfangs begrenzen. Für 2010 beläuft sich mein
Zins-u.Dividendenertrag auf unter 10.000,-€ bei einer noch
vorhandenen Kreditzinsbelastung von ca 5000,-€
Wie weit dies mit einer gerechten Einkunftsbesteuerung zu tun hat,kann jeder erkennen.
Nur unsere Bundestagsabgeprdneten der CDU,FDP(Wissing)SPD
können diese Ungerechtigkeit nicht erkennen.
Ich hatte zum Jahreswechsel 09/10 eine Petition an den Bundestag eingereicht, mit der Fordeung eine Öffnungsklausel
zuzugestehen für diejenigen Bürger die dies beantragen und
sich einige Zeit daran halten, dass der Werbungskostenabzug
wieder zugelassen wird, jedoch mit der Folge dass dann wieder
der persönliche Steuersatz gilt.
Unsere aktiven Politiker sind nicht in der Lage zu erkennen
dass diese Ungerechtigkeit des gesamten Abgeltungssteuerkomplexes
durch das Verfassungsgericht wieder, wie so oft, über den Haufen geworfen wird, um dann wieder neu herumzubasteln.

Baumrucker
24.01.2011 | 16:52
Abgeltungsteuer - geringere Steuereinnahmen

Neben dem gesunkenen Zinsniveau ist auch eine steuerliche Neuregelung zu beachten: Seit Anfang 2010 verrechnen die Banken von ihnen verauslagte Erstattungen an Kapitalertragsteuer gegenüber institutionellen Großkunden und anderen Anlegern (insbesondere aus inländischen Dividenden) mit der Kapitalertragsteuer, die sie monatlich an das Finanzamt abzuführen haben. Es kommt also zu einer Verrechnung von Steuerabführungen und Steuerforderungen. Hierdurch vermindert sich zwangsläufig das Aufkommen und kann in dividendenstarken Monaten (z.B. im Mai) in der Summe sogar zu Steuerforderungen der betreffenden Bank in Millionenhöhe gegenüber ihrem Finanzamt führen. Diese Steuererstattungen wurden bis einschließlich 2009 vom Bundeszentralamt für Finanzen erstattet, also nicht über das Finanzamt der Bank.

Beck
24.01.2011 | 16:31
Abgeltungsteuer

Es ist doch ganz klar,wenn die Zinseinnahmen niedriger ausfallen
dass folglich auch der Steuerertrag geringer sein wird. Wenn schon von Steuermindereinnahmen die Rede ist, muss man ehrlicher
weise die Gründe dafür benennen. Nur Kritik zu üben, dass die da
mals beschlossene Pauschalsteuer von 25 % schuld sei, kann man
deshalb nicht gelten lassen. Immerhin ist das ja bereits vorher
versteuertes Geld, welches durch Sparen/Konsumverzicht nochmals
der Steuer unterworfen wird.

Schmitz
24.01.2011 | 14:00
Erst denken, dann reden !

Natürlich nutzt Herr Ondracek die Meldung über sinkende Abgeltungssteuereinnahmen mal wieder, um seinen Namen in der Presse zu sehen. Andere folgen diesem schlechten Beispiel. Dabei hätte schon die Kenntnis des kleinen 1x1 genügt, die Ursache der sinkende Steuereinnahmen zu ermitteln: 25% von einem Prozent sind nun einmal wesentlich weniger als 25% von zwei oder vier Prozent. Was diesen sog. Finanzexperten offenbar verborgen geblieben ist, ist jedem Normalbürger bekannt: Die Zinsen befinden sich auf historischem Tiefststand, auch die Sparzinsen. Da müssen die Steuereinnahmen zwangsläufig niedriger ausfallen. Da der Deutsche Aktienanlagen nach wie vor meidet, können dort generierte Steuern das Manko nicht ausgleichen.

(Kommentare 1-4 von 4)

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