Selten zuvor hat ein Insolvenzverwalter in der Öffentlichkeit so über die Einbindung der Medien geschimpft wie Klaus Hubert Görg. "Hätten die Beteiligten ebenso viel Energie in konstruktive Lösungen wie in Medienkampagnen gesteckt, dann könnte Karstadt sich schon heute noch erfolgreicher am Markt positionieren", beschwerte sich der Insolvenzverwalter noch kurz vor dem Rettungsbeschluss vorige Woche - allerdings ebenfalls in einer Pressemitteilung.
Die Öffentlichkeitsarbeit in einem Insolvenzverfahren ist eine heikle Angelegenheit. Laut Gesetz gibt es sie nicht einmal. In der Insolvenzordnung steht nichts darüber, inwieweit Details eines Sanierungsverfahrens an die Öffentlichkeit dringen dürfen. Insolvenzverwalter sollen vor allem eines sein: gute Sanierer, gute Restrukturierer, manchmal auch schlicht gute Abwickler.
In den Unternehmen aber treffen sie auf verunsicherte Arbeitnehmer und Lieferanten. Sie müssen Investoren für ihre Pläne interessieren. Und so rutschen sie schnell in neue Aufgaben hinein, die über die Sanierung weit hinausgehen: Der Insolvenzverwalter wird zum Pressesprecher, Marketingchef und Investor-Relations-Manager in einer Person.
Um jegliche Kritik von vornherein zu vermeiden, reden manche Konkursanwälte gar nicht mit der Presse: "Nach der gültigen deutschen Insolvenzordnung ist ein Insolvenzverfahren nicht öffentlich. Aus diesem Grund darf sich der Insolvenzverwalter nicht weiter zu einem laufenden Verfahren äußern", teilte die Kanzlei CMS Hasche Sigle unlängst mit.
In der Mitteilung ging es um ein Verfahren vor dem Landgericht Frankfurt: Darin stritt der Konkursanwalt der britischen Lehman Brothers mit der deutschen Tochtergesellschaft, vertreten durch CMS, über eine Summe von 1 Mrd. Dollar. Das Landgericht sollte klären, welcher Insolvenzmasse das Geld zuzuordnen sei. Darüber könne man zwar diskutieren, befand CMS - aber nicht außerhalb des Gerichtssaals.
Der Nachteil dieser Strategie aber ist, dass verschwiegene Insolvenzverwalter auch keinen Einfluss auf die Berichterstattung nehmen können. Dabei sind die Erwartungen der Öffentlichkeit und der Medien enorm. Das gilt vor allem dann, wenn ein großes Unternehmen in die Pleite gerutscht ist, an dem viele Arbeitsplätze und Lieferantenverträge hängen - wie bei Karstadt.
Stehen viele Arbeitsplätze auf dem Spiel, kommen die Insolvenzverwalter um eine öffentliche Stellungnahme oft kaum herum. "Dann gibt es eine große öffentliche Aufmerksamkeit. Dass man dann die Presse einbindet, ist nur natürlich", sagt Peter Leonhardt, Insolvenzverwalter bei Leonhardt Westhelle & Partner in Berlin. Viele Sanierer schalten sogar professionelle PR-Agenturen ein, um ihre Strategie bestmöglich zu verkaufen. Es gibt Agenturen wie beispielsweise Dictum Law Communications, die sich sogar auf die Öffentlichkeitsarbeit bei Sanierungsverfahren spezialisiert haben. "Krisenkommunikation" heißt das dann.











