19.03.2010
Die Schweiz fordert eine Steueramnestie.
Die Schweiz fordert eine Steueramnestie.
Foto: dpa-PA
Investor-Artikel

Schwarzgeld

Amnestie ist kein Selbstläufer

von Robert Kracht

Als Gegenleistung für die weitere Öffnung gegenüber dem deutschen Fiskus favorisieren einige Länder wie etwa die Schweiz eine Steueramnestie. Der Erfolg ist zweifelhaft, wie Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen.

Italien hat eine Steueramnesie bereits erfolgreich vollzogen. In Deutschland sind Politiker aller Couleur eher skeptisch. Sie verweisen auf den mäßigen Erfolg, den die Brücke zur Steuerehrlichkeit zwischen Januar 2004 und März 2005 hierzulande gebracht hat.

Anleger konnten damals für die Jahre 1993 bis 2002 unversteuertes Schwarzgeld nachmelden. Die Reue fiel nicht schwer. Nicht nur gingen Steuersünder wie bei der auch heute noch möglichen Selbstanzeige straffrei aus, sie konnten auch mit moderaten Nachzahlungen kalkulieren. Die nachgemeldeten Einnahmen wurden nur mit 15 Prozent besteuert, zudem fielen weder Hinterziehungszinsen noch Kirchensteuer oder Solidaritätszuschlag an.

Trotz des attraktiven Angebots gingen während der 15 Amnestiemonate nur rund 50.000 strafbefreiende Erklärungen ein, die etwa 1,5 Milliarden Euro in die Staatskasse spülten. Eine neue Amnestie scheint da für den Staat wenig lukrativ zu sein. Kauft der Fiskus eine Bank-CD mit Schwarzgelddaten, werden binnen weniger Wochen 10.000 Selbstanzeigen gestellt mit im Vergleich höheren Nachzahlungsbeträgen.

Für den mäßigen Erfolg vor fünf Jahren lassen sich zwei Gründe anführen: Zum einen war der Druck auf Steuersünder noch nicht so groß wie heute, da diese sich noch auf das strenge Bankgeheimnis jenseits der Grenze verlassen konnten. Zum anderen schreckte viele Besitzer die nicht unberechtigte Befürchtung, die Bearbeiter im Finanzamt könnten künftig pingelig alle Belege zweimal umdrehen und die Akten mit einem roten Reiter versehen.

Steuersünder, die das Amnestieangebot bis Ende März 2005 nicht nutzten, müssen sich nun jedoch auf eine härtere Gangart einstellen. Einen Tag nach Beendigung der Amnestie haben die Finanzämter erstmals Kontoabfragen bei den Banken gestartet, drei Monate später trat die EU-Zinsrichtlinie in Kraft, wonach rund 30 Staaten dem deutschen Fiskus automatisch die Kapitalerträge der Anleger melden.


© 2010 capital.de

Schreiben Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel


Ihre Meinung

Ihr Name
Ihre Email-Adresse (wird nicht veröffentl.)
Betreff
Ihr Kommentar



 
Capital - Suche
 
Wohn- und Ferienimmobilien-Kompass
PartnerangebotImmobilien suchen in ...