18.02.2010
Geständige Steuerhinterzieher sind heiß begehrte Kundschaft - auch in Liechtenstein.
Geständige Steuerhinterzieher sind heiß begehrte Kundschaft - auch in Liechtenstein.
Foto: Getty
Investor-Artikel

Boom von Selbstanzeigen

Das Geschäft mit dem reuigen Steuersünder

von Corinna Kreiler

Steuerhinterzieher zeigen sich derzeit scharenweise selbst an, um einer Strafe zu entgehen. Bei Anwälten und Steuerberatern brummt das Geschäft mit der Ehrlichkeit. Eine Liechtensteiner Firma hilft Schwarzgeld in die Legalität zurückzuholen.

Die Überschrift soll Sünder locken: "Konto im Ausland - die intelligente Selbstanzeige" prangt die Werbung des Münchner Anwalts Klaus Höchstetter in einer überregionalen Tageszeitung. Im zugehörigen Text geht der Jurist dann in die Vollen. "Steuer und steuerstrafrechtliche Verschärfungen (...) stellen ein Gruselkabinett an Folterinstrumenten auch für den Steuerehrlichen dar", ist da zu lesen.

Höchstetter verspricht den Gefolterten Hilfe beim Umgang mit den Steuerbehörden: Unter seiner Anleitung könnten sich Steuerflüchtlinge darauf verlassen, dass eine Selbstanzeige ordnungsgemäß über die Bühne geht und der Sünder straffrei bleibt. Eine Geld- oder Gefängnisstrafe entfällt nämlich, wenn die Tat angezeigt, bevor sie entdeckt wird. Der Betreffende muss nur die hinterzogenen Steuern an den Fiskus nachzahlen, plus Säumniszins. Der Staat belohnt tätige Reue.

Da nicht nur Steuererklärungen, sondern auch Selbstanzeigen kompliziert sind, herrscht derzeit bei Anwälten und Steuerberatern Hochbetrieb. In Hochstätters Kanzlei melden sich derzeit zahlreiche Reumütige, die "zitternd und mit Schweißperlen auf der Stirn" darum bitten, dass der Jurist die Anzeige so schnell wie möglich auf den Weg bringe, berichtet der Anwalt im "Bayerischen Fernsehen". Cool auf dem Stuhl sitze bei ihm keiner.

Denn die Zeit drängt: Schließlich wurde nicht nur der bayerischen Staatsregierung eine CD mit den Daten von Schwarzgeldbesitzern im Ausland zum Kauf angeboten, sondern auch anderen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen. Die öffentliche Debatte über den Kauf der Daten treibt so manchen zur Eile.

Entsprechend in die Höhe geschossen ist die Zahl der Selbstanzeigen in den vergangenen zwei Wochen. Allein in Bayern gingen nach Informationen der "Financiel Times Deutschland" v(FTD) 291 Meldungen bei den Finanzbehörden ein, vor rund einer Woche waren es noch 20. In Hamburg stieg die Zahl der Fälle innerhalb von drei Tagen von 10 auf 88. Die Sünder hatten Kapitalerträge von 63 Millionen Euro hinterzogen. Die Finanzbehörde der Hansestadt rechnet mit Steuernachzahlungen von 20 Millionen Euro allein aus diesen Fällen. In den anderen Bundesländern ist der Trend ähnlich.

Das macht die reuigen Sünder zu heiß begehrter Kundschaft. Unter anderem wenden sich Wirtschaftsprüfer von KPMG in einem zweiseitigen Infoblatt an potentielle Interessenten und präsentieren den schematischen Ablauf der Selbstanzeige - in acht Stufen wird der hochnotpeinliche Vorgang für die Betroffenen zur "plan- und beherrschbaren Lösung". Extra für deutsche Steuerhinterzieher beschäftigt KPMG eine eigene Abteilung in Zürich, das "German Tax&Legal Center".

Die Vermögensberatung Kaiser Ritter aus Liechtenstein ist da schon einen Schritt weiter: Eigentlich stehen Finanzmanager in dem Steuerparadies nicht ganz zu Unrecht im Verdacht, deutschen Steuerzahlern dabei zu helfen, ihr Geld am Fiskus vorbeizuschleusen und unauffällig im Fürstentum unterzubringen. Doch Kaiser Ritter Partner setzt auf Ehrlichkeit: In einer Zeit tiefgreifenden Wandels sei die Firma darauf bedacht, "auf der richtigen Seite der Veränderung dabei zu sein", lässt das Unternehmen ausrichten.

"Bankgeheimins wird der Vergangenheit angehören"

Denn die Zeit der Offshore-Steueroasen ist nach Auffassung von Firmenchef Fritz Kaiser abgelaufen: "Das Bankgeheimnis mit Schutz bei Steuerhinterziehung wird schon bald der Vergangenheit angehören," sagt er und zieht für seine Firma entsprechende Konsequenzen. Kaiser Ritter wirbt mit Steuerkonformität bei der Vermögensplanung.

Zudem berät das Unternehmen deutschen Kunden, ihren Steuerstatus in der Bundesrepublik zu "überprüfen und gegebenenfalls Korrekturen einzuleiten", wie es im Firmenjargon heißt. Die Nachfrage ist laut der Vermögensberatung groß und wird wohl rasch weiter ansteigen. Für Steuerhinterzieher aus den USA hat das Unternehmen zudem eine Dependance im schweizerischen Zollikon gegründet. Deren Berater helfen bei der Offenlegung vor US-Steuerbehörden, die sich UBS-Kunden vorgeknöpft haben.

Die Reinwaschung von den Sünden ist für die Betroffenen wohl nicht ganz billig: Laut Medienberichten soll Kaiser Ritter bis zu 500 Franken die Stunde verlangen, zudem kassiere der US-Fiskus etwa ein Drittel des Vermögens. Kaiser Ritter bestätigt das allerdings nicht und verweist darauf, dass sich die Frage der Kosten nicht wirklich stelle. Die Kunden seien eher dankbar, dass man ihnen in einer "aktuell schwierigen Situation" professionell helfe.


Quelle: ftd.de
© 2010 capital.de

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