04.08.2008
Seite  1 | 2 | 3


Foto: shutterstock.de

Arbeitsrecht

Prädikat: Familienfeindlich

Führungskräfte stoßen häufig auf Widerstand, wenn sie mehr Zeit für die Familie haben wollen. So wie Achim Schwarz aus Düsseldorf - der seinen Arbeitgeber sogar verklagt hat.

Der rot-braune Zweckbau mit den weißen Kunstofffenstern hinter dem Düsseldorfer Hauptbahnhof ist wenig markant. Bei der zweijährigen Katharina hat er jedoch nachhaltig Eindruck hinterlassen. "Papa Arbeit", ruft das blonde Mädchen aufgeregt, als sie das Arbeitsgericht erblickt. Mit Oma und Opa holte sie hier vor einigen Wochen ihren Vater ab, der an einer Verhandlung teilgenommen hatte. Die Kleine weiß, dass ihr Vater Schwierigkeiten mit der Firma hat - und an diesem Ort eine wichtige Entscheidung für ihn und die Familie fällt.

In der Tat: Das Arbeitsgericht Düsseldorf urteilt in Kürze über den Fall "Achim Schwarz ./. Ernst & Young AG". Kurz vor der Geburt ihrer Tochter im November 2005 hatten Ernst & Young-Projektmanager Schwarz und seine Freundin Désirée Wesselmann entschieden, sich die Kindererziehung zu teilen. Zunächst nahm sie ein halbes Jahr Auszeit, dann er. Danach wollten beide in Teilzeit arbeiten, um sich abwechselnd um Katharina kümmern zu können. Doch daraus wurde nichts. "Der Wunsch nach Teilzeit lässt sich mit der von Ihnen bekleideten Managerposition nicht vereinbaren", beschied Ernst & Young. "Das war ein richtiger Schock", erinnert sich der 40-jährige Schwarz. Der Fall landete vor Gericht.

Wie solche und ähnlich gelagerte Prozesse enden, dürfte manchen anderen (werdenden) Vater in leitender Position ebenfalls brennend interessieren. Denn auch wenn Familienministerin Ursula von der Leyen nicht müde wird, die Elternzeit und das 2007 eingeführte Elterngeld als Erfolgsmodelle zu feiern: Der Blick in die Statistik belegt, dass sich der Bewusstseinswandel in Sachen Aus- und Teilzeit für Väter sehr zögerlich vollzieht.

Väter in Elternzeit sind noch immer selten

Zwar stammen rund zwölf Prozent der bewilligten Anträge auf Elterngeld von Männern. Doch die meisten Väter haben lediglich die zwei Monate Mindestpause in Anspruch genommen, die nötig sind, um den Elterngeldanspruch der Familie von zwölf auf 14 Monate aufzustocken (siehe "Lohnende Auszeit"). Gerade zehn Prozent haben ein komplettes Jahr pausiert; und der Anteil der Führungskräfte unter ihnen ist gering. "73 Prozent der Arbeitnehmer in gehobenen Positionen geben an, dass eine geeignete Vertretung fehlt und 59 Prozent fürchten Karrierenachteile", sagt Andreas Zimmermann vom Deutschen Führungskräfteverband, der rund 1000 Verbandsmitglieder exklusiv für Capital befragt hat. Dass sich die Situation mit Einführung des Elterngeldes deutlich gebessert hat, glauben nur sechs Prozent der Befragten.


Schreiben Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel


Ihre Meinung

Ihr Name
Ihre Email-Adresse (wird nicht veröffentl.)
Betreff
Ihr Kommentar



 
Capital - Suche
 
Wohn- und Ferienimmobilien-Kompass
PartnerangebotImmobilien suchen in ...