In Köln geriet die lange Nacht der Museen beinahe zum Albtraum. Als um 22.10 Uhr der Strom ausfiel, blieb die Seilbahn stehen und ließ 70 Fahrgäste in ihren Gondeln mitten über dem Rhein im Dunkeln sitzen. Zeitgleich steckten Menschen in Aufzügen fest. Ampeln erloschen, Züge konnten nicht weiterfahren. Viele Hausbewohner verfielen in Panik, weil sie die Abgase angesprungener Notstromaggregate für einen Brand hielten.
Zum Glück verlief jener erste Samstag im November 2006 glimpflich – nicht nur in Köln, sondern in der gesamten Republik. Nach nur einer halben Stunde war der Blackout vorbei. Dennoch war er ein Vorgeschmack auf die Zukunft. "Die Gefahr von Stromausfällen steigt deutlich", warnt Stephan Kohler von der Deutschen Energieagentur (Dena).
Der drastische Umbau der Energieversorgung, den die Politik massiv auf mehreren Ebenen zugleich vorantreibt, fordert seinen Tribut. So knacken neue Gesetze die alten Strommonopole, um den Wettbewerb zu fördern. Früher versorgten Kraftwerke nur ihre Umgebung. Jetzt führen Liberalisierung und Börsenhandel dazu, dass riesige Strommengen über Tausende von Kilometern kreuz und quer durch die Republik transportiert werden – und Leitungen, die dafür gar nicht konzipiert sind, zum Glühen bringen können.
Zusätzlich belastet der rasante Ausbau der erneuerbaren Energien die Netze. Je nach Wetter speisen zum Beispiel Hunderte Windmüller viel oder wenig Strom ein und zwingen so ständig zu komplizierten Ausgleichsmanövern. "Dieser Zustand bereitet mir schlaflose Nächte", klagt Johannes Kempmann.








