China hat die USA als weltgrößten Energieverbraucher überholt. Laut neuen Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) konsumierte die Volksrepublik im vergangenen Jahr mit 2252 Millionen Tonnen Öläquivalent rund vier Prozent mehr als die USA. Die Summe umfasst alle Energieformen, also auch Gas, Atomstrom und Erneuerbare. Dass die USA nach rund 100 Jahren als größter Energieverbraucher abgelöst sind, "symbolisiert den Beginn einer neuen Ära in der Geschichte der Energie", sagte Fatih Birol, Chefvolkswirt der IEA, dem "Wall Street Journal".
Die Entwicklung zeigt, wie groß Pekings Herausforderungen bei der Bewältigung des rasanten Wirtschaftswachstums sind. Die Zentralregierung versucht seit Jahren, die Energieinfrastruktur dem Wachstum anzupassen. Nun droht sie von der Dynamik des Wachstums überrollt zu werden. China müsse in den kommenden 20 Jahren etwa 4000 Milliarden Dollar investieren, um Engpässe in der Stromversorgung zu vermeiden, sagte Birol.
Wenn das Land energieintensive Produkte nicht mehr vollständig selbst herstellen kann, profitieren vor allem westliche Industriekonzerne. "Da China mit seiner Energie haushalten muss, werden die Chinesen auch künftig energieintensive Produkte wie Aluminium importieren müssen", sagte Klaus Kleinfeld, Chef des US-Aluminiumkonzerns Alcoa, der "Financial Times Deutschland" (FTD). "China weiß, dass der Bedarf an Energie weiter rasant steigen wird. Die Regierung hat daher eine Exportsteuer auf Produkte wie Aluminium erlassen."
Der exorbitante Anstieg des Energieverbrauchs in China und anderen Schwellenländern droht indes jegliche Bemühungen für den Klimaschutz zunichtezumachen. Weil ihr CO2-Ausstoß hochschnellt, verpuffen die Bemühungen anderer Länder. "Eine Wende beim weltweiten Ausstoß an Kohlendioxid ist absolut nicht in Sicht", sagte Manuel Frondel, Energieexperte des Essener Wirtschaftsforschungsinstituts RWI.
China ist seit 2007 größter Klimasünder
China hatte die USA bereits 2007 als größter Klimasünder überholt. Das Land erzeugt trotz hoher Investitionen in Atomkraft und Erneuerbare immer noch 70 Prozent seines Stroms aus Kohle. Allein die Hälfte der Weltförderung an Steinkohle entfällt auf China. "Auch der globale Energiehunger wird weiterhin in erster Linie mit Kohle gestillt werden", sagte Frondel. Die IEA geht davon aus, dass die Kohlenachfrage bis 2030 weltweit um 54 Prozent steigt.
Der Nachholbedarf der Schwellenländer ist enorm: So liegt der Verbrauch pro Kopf in China mit 1,5 Tonnen Öläquivalent jährlich nur bei einem Fünftel des US-Niveaus. Auch der deutsche Verbrauch liegt mit vier Tonnen um ein Vielfaches höher als in den Schwellenländern.
Nach Einschätzung staatsnaher Forschungsinstitute kann China seinen Ausstoß an Treibhausgasen frühestens ab 2030 senken. Peking beharrt seit Jahren darauf, sich international nicht auf Emissionsziele zu verpflichten - trotz eigener ambitionierter Ziele. Dazu gehört auch die verstärkte Produktion von Atomstrom. Erst im Juni verkündete die Regierung den Bau von 23 Atomkraftwerken. Zudem soll die Energieeffizienz des Landes stark zunehmen. Gemessen an der Wertschöpfung soll der Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um bis zu 45 Prozent gegenüber dem Jahr 2005 gesenkt werden. Die dazu notwendigen Einsparungen werden offiziellen Statistiken zufolge zwar teilweise erreicht. Doch das Wachstum der Produktionsmenge frisst die Fortschritte regelmäßig auf.
Problematisch für die Zentralregierung ist zudem die mangelhafte Umsetzung bestehender Gesetze auf den unteren Verwaltungsebenen. Chinas Umweltgesetze gelten durchaus als fortschrittlich. Doch lokale Funktionäre geben der wirtschaftlichen Entwicklung stets den Vorrang, weil so Jobs geschaffen werden und ihre Karrierechancen steigen.
Quelle: ftd
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