Der Rückzug von
EADS und seinem amerikanischen Partner
Northrop Grumman aus dem Bieterrennen um einen Tankflugzeug-Großauftrag der US-Luftwaffe schlägt politisch Wellen.
EU-Kommission und Bundesregierung warfen der Regierung von Präsident Barack Obama am Dienstag vor, bei der Ausschreibung den heimischen
Boeing-Konzern zu bevorzugen und den europäischen Rivalen zu behindern. "Es ist höchst bedauerlich, dass ein großer potenzieller Lieferant sich nicht in der Lage sieht, für einen solchen Auftrag mitzubieten", sagte EU-Handelskommissar Karel de Gucht in Brüssel.
Die Bundesregierung forderte Washington auf, ihr Bieterverfahren zu modifizieren. "Ich würde mich freuen, wenn es zu diesem Schritt käme", sagte der Luftfahrtkoordinator der Bundesregierung, Peter Hintze. "Die US-Regierung sollte das überdenken."
In der Nacht hatte das drittgrößte Rüstungsunternehmen der USA mitgeteilt, nicht mehr bei der Neuausschreibung des 35-Milliarden-Dollar-Auftrags anzutreten. Damit ist auch Airbus aus dem Rennen, denn Northrop Grumman kämpft seit fünf Jahren gemeinsam mit der EADS -Tochter um den Auftrag.
Die beiden Partner wollten mit ihrem Rückzug aus dem Bieterverfahren offenbar das Signal setzen, dass sie sich nicht fair behandelt fühlen, sagte Hintze. "Ich sehe eine winzige Restchance, dass die US-Administration dieses Signal erkennt und sich das Verfahren noch einmal anschaut", ergänzte er.
Northrop Grumman-Chef Wes Bush hatte den Rückzug mit den geänderten Ausschreibebedingungen begründet, die eindeutig
Boeing begünstigen würden. Airbus-Chef Tom Enders warf der US-Regierung Protektionismus vor.
Northrop Grumman werde gar nicht mehr antreten, sagte Bush. Der Konzern habe auch beschlossen, nicht gegen die neuen Bedingungen zu protestieren, obwohl es gewichtige Gründe gebe. Eine weitere Verzögerung sei aber nicht zu verantworten.
Auch Wirtschaftsminister Rainer Brüderele äußerte sich enttäuscht. Mit der neuen Ausschreibung bevorzuge die amerikanische Regierung deutlich den US-Produzenten Boeing, kritisierte der FDP-Politiker. "Auch bei der Beschaffung von Rüstungsgütern sollte der freie Wettbewerb nicht einseitig eingeschränkt werden", fügte er hinzu. "Gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise schaden schon Anzeichen von Protektionismus."

















