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24.01.2012
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Er kam, sah und senkte: EZB-Chef Mario Draghi hat die Geldpolitik erheblich gelockert
Er kam, sah und senkte: EZB-Chef Mario Draghi hat die Geldpolitik erheblich gelockert
Foto: dpa
Investor-Artikel

Staatsschulden

Operation Flutwelle

von Melanie Bergermann, Christian Schütte; Mitarbeit: Tim Bartz, Tobias Bayer, Peter Ehrlich

Gut 800 Mrd. Euro müssen Europas Regierungen 2012 am Kapitalmarkt beschaffen. Damit das gelingt, überschwemmt die EZB die Banken mit Liquidität. Doch die Institute zieren sich, von dem Geld Staatsanleihen zu kaufen.

Über Vittorio Grilli wissen selbst die tratschverwöhnten Italiener so gut wie nichts. Nur so viel: Der Mann hat ein halbes Jahrzehnt lang das Schatzamt in Rom geleitet und gehörte als Chef des EU-Wirtschafts- und Finanzausschusses zu den wichtigsten Strippenziehern bei der Euro-Rettung. Er ist 54 Jahre alt, elegant, verbindlich und hat mit der neuen, jungen Frau an seiner Seite eine Tochter.

Der medienscheue Wirtschaftsprofessor, der in Yale und London gelehrt hat, sei ein "Prototyp der neuen Generation" italienischer Finanzbeamter, schreibt das Magazin "L'Espresso".

Hierzulande haben einer Umfrage zufolge gerade mal sieben Prozent der Bundesbürger je von einem Herrn Grilli gehört. Dabei hängt von dem großen Unbekannten, der im Dauerstress der vergangenen Monate sichtlich ergraut ist, verdammt viel ab: Grilli ist inzwischen die Nummer zwei der italienischen Finanzpolitik, die rechte Hand von Regierungschef Mario Monti, dessen Technokratenkabinett das Land vor der Pleite retten soll. Und Europa gleich mit.

Der Zins, den der Schuldner Rom am Markt zahlen muss, markiert die Fieberkurve der Währungsunion. Nur wenn Grilli es schafft, genügend Staatsanleihen zu verkaufen, kann die Katastrophe abgewendet werden.

Gut 800 Mrd. Euro brutto müssen die Mitgliedsstaaten der Währungsunion in diesem Jahr am Bondmarkt einsammeln, allein Italien braucht mindestens 230 Mrd. Euro. Doch bei der bisherigen Stammkundschaft ist die ganze Anlageklasse in Verruf geraten.

"Banken, Asset-Manager und auch die US-Pensionsfonds ziehen sich aus dem Staatsfinanzierungsgeschäft in Europa zurück", sagt Franz Waas, Chef des Frankfurter Fondsdienstleisters Deka. Vor allem die Kreditinstitute steigen aus. Ihnen wird das Geschäft schlicht zu gefährlich. Die 65 Banken, die zuletzt von der europäischen Bankenaufsicht EBA einem Stresstest unterzogen wurden, haben in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres ihren Bestand an italienischen und spanischen Anleihen um über 50 Mrd. Euro abgebaut.

Alle Rufe, die Europäische Zentralbank (EZB) müsse endlich unbegrenzte Bondkäufe ankündigen und mit diesem Drohgeschütz (im Bankerjargon: "Bazooka") das Vertrauen in die wankenden Staaten wiederherstellen, haben die Notenbanker zurückgewiesen: "Wir haben einen Vertrag, in dem steht, dass es keine monetäre Staatsfinanzierung geben darf", stellt EZB-Präsident Mario Draghi klar - der Vorvorgänger Grillis im italienischen Schatzamt.

 
Mario Monti leitet als Chef der neuen Technokratenregierung in Rom zugleich auch das Ressort für Wirtschaft und Finanzen

Im neuen Jahr ruht nun alle Hoffnung auf dem Finanzmanöver, das sich Draghi und seine Kollegen anstelle der direkten EZB-Käufe ausgedacht haben. Es ist die Operation Flutwelle: Europas Banken erhalten von der EZB künftig Liquidität bis zum Abwinken. Das lindert zunächst einmal ihre eigenen akuten Refinanzierungsnöte - und soll dann langfristig in Staatsanleihen fließen.

"LTRO - Long-Term Refinancing Operation" heißt das Zauberwort. In einem ersten Schritt holten sich die Banken vergangenen Dezember 489 Mrd. Euro für drei Jahre zum Zins von einem Prozent; am 28. Februar wird es eine zweite Tranche mit dreijähriger Laufzeit geben.

Bei den Sicherheiten, die von den Banken für EZB-Kredite zu hinterlegen sind, zeigen sich die Währungshüter ebenfalls großzügig: Die Liste der akzeptierten Finanzinstrumente wurde seit Jahresanfang um gut ein Drittel verlängert.

Der "Sarko-Trade"

"Wir haben eine Bazooka, die über die Banken funktioniert", freute sich der französische Notenbankchef Christian Noyer. Sein Präsident Nicolas Sarkozy erklärte es dem Publikum gleich etwas ausführlicher: "Italiens Banken können sich zu einem Prozent verschulden, der italienische Staat zu sechs bis sieben Prozent. Man muss kein Finanzspezialist sein, um zu erkennen, dass der italienische Staat in der Lage sein wird, die Banken zu bitten, einen Teil der Staatsschulden zu deutlich niedrigeren Zinsen zu finanzieren." Die Börsen begrüßten diese Erläuterung Mitte Dezember erst einmal erleichtert mit einer Rally.

Doch ob der "Sarko-Trade" wirklich zündet und die Märkte endlich beruhigt, ist auch nach den ersten gelungenen Bondauktionen im Januar nicht ausgemacht. Denn die Geschäftsbanken nehmen die ihnen zugewiesene Rolle nur widerstrebend an.


Was die Leser sagen

Trader
25.01.2012 | 12:47
Pump bleibt Pump

Auch billigstes Zentralbankgeld ist nur geliehen. Wenn endlich wieder die einfachste betriebswirtschaftliche Richtschnur wäre, dass diese Unternehmen Bestand haben, die Geld haben und sich refinanzieren können, dann wäre viel Druck vom Kessel. "Wenn Deutschland nicht sofort mehr zahlt, wir alles noch teurer". Ja, aber nur einmal und dann absehbar.

Pequod
24.01.2012 | 20:34
Geschäftsmodelle

Dieses Fluten von Mario Draghi ist doch auf einen Nenner
von Banken Insolvenzen vor dem Rückzahlungsterminen zu
bringen, die mit einer Flut von Bankenneugründungen mit
Hilfe der EZB nach der erfolgreichen Insolvenzabwick-
lung als logische Konsequenz zu Lasten der Steuerzahler
zu sehen sind. So einfach ist das!!

(Kommentare 1-2 von 2)

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Quelle: FMH-Finanzberatung
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 Quelle: vwd netsolutions GmbH
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