28.06.2010
Die Bundeskanzlerin will bis 2013 nur rund 25 Milliarden Euro einsparen.
Die Bundeskanzlerin will bis 2013 nur rund 25 Milliarden Euro einsparen.
Foto: ddp

Sparbeschluss in Toronto

Deutschland scheitert an G20-Vorgabe

von Ehrlich Peter

Zum Abschluss des G20-Gipfels stellt US-Präsident Obama Übereinstimmungen zwischen seiner Sparpolitik und der von Kanzlerin Merkel fest. Aber ausgerechnet Deutschland wird die Vorgabe für die Sparpolitik nicht einhalten.

"Sehr zufrieden" sei sie damit, dass die Industrieländer spätestens 2013 ihre Haushaltsdefizite halbieren wollen, sagte Angela Merkel am letzten Tag des Gipfels in Toronto. Die ganze EU feierte den Beschluss als großen Erfolg gegen alle Versuche aus den USA und aus Ländern wie Brasilien und Argentinien, die Industriestaaten zu höheren Ausgaben zu drängen.

Aber ausgerechnet Deutschland wird nach seiner eigenen Haushaltsplanung das G20-Ziel verfehlen. Im laufenden Jahr nämlich wird die Neuverschuldung bei rund 65 Milliarden Euro liegen. Die Hälfte davon wären gut 30 Milliarden Euro. Laut Sparpaket will die Bundesregierung aber bis 2013 nur rund 25 Milliarden Euro einsparen, würde also bei 40 Milliarden Euro Defizit landen. Damit wäre man zwar sicher unter den von der EU vorgegebenen drei Prozent, aber würde die neue Halbierungsvorschrift nicht erfüllen.

Zwar gibt der G20-Text kein Basisjahr vor. Manche Länder könnten theoretisch auch 2009 als Ausgangspunkt nehmen. Das wäre aber für Deutschland noch schwieriger, denn da lag die Neuverschuldung nur etwas über drei Prozent. Allerdings kann sich Merkel sicher sein, dass die Partnerstaaten keine zusätzlichen Sparprogramme verlangen werden.

Deutschland müsse "nicht nachsteuern", sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble der Nachrichtenagentur Reuters. Zum Kompromiss von Toronto hat schließlich auch beigetragen, dass die Deutschen den anderen klar gemacht haben, dass sie später und langsamer sparen als andere und deshalb mit ihrem Wirtschaftswachstum dem Rest Europas und der Welt helfen könnten.

Das hat nun auch US-Präsident Barack Obama verstanden, der in seiner Abschlusspressekonferenz am Sonntagabend ausdrücklich das deutsche Sparpaket mit seinen eigenen Anstrengungen verglich. Das deutsche Programm sei wie das amerikanische nicht "front loaded", beginne also nicht brutal.

Zunächst werde er weitere Ausgabensteigerungen verhindern, so Obama, dann wolle er ähnlich wie Deutschland Strukturprobleme im Sozialsystem angehen. Im nächsten Jahr werde er die US-Bürger deshalb vor einige "schwierige Alternativen" stellen müssen. Ihm sei es in den strittigen Diskussionen der vergangenen Wochen nur darum gegangen, zu verhindern, "dass alle gleichzeitig den Ausgang nehmen", also die Schuldenpolitik aufgeben. Länder wie Griechenland müssten das schnell tun, andere langsamer. Da finden sich die Deutschen plötzlich in ungewohnter Gesellschaft zu den USA wieder.


Quelle: ftd.de
© 2010 capital.de

Was die Leser sagen

tw
28.06.2010 | 11:03
Deutschland scheitert vielmehr an fehlender Europa-Identität

US-Präsident Obama wird sich insgeheim über Kanzlerin Merkels "Sparpolitik" der Kriegsunterstützung in Afghanista und der zerstrittenen Europa-Einheit freuen. Es ist klug, dass wir aus
den USA und aus Japan nützliche Innovationen übernehmen und global zukünftig nachhaltiger und im Kulturverständnis Wirt- schaften.
Kanzlerin Merkel regiert, wenn überhaupt mal, aus Angst und ohne jedliche tragfähige Vision. Merkel läßt sich des Weiteren von Staatspräsident Sarkozy einwickeln und Großaufträge abluchsen. Mit solcher seltenen Naivität, kann Kanzlerin Merkel schon durchaus zufrieden sein, dabei zu sein und die restliche Amtszeit abzusitzen.
Deutschland scheitert vielmehr an fehlender Europa-Identität und ungenützter Potentiale in Europa.

(Kommentare 1-1 von 1)

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Girokonto (Dispo)11,24%5,50-14,50%
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Quelle: FMH-Finanzberatung
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 Quelle: vwd netsolutions GmbH
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