Mahathir Mohamad war von 1981 bis 2003 Premierminister von Malaysia.
Die Malaien haben ein Sprichwort, das besagt: Wer vom Weg abgekommen ist, sollte zurück auf Los und wieder von vorn anfangen. Ich glaube, jeder ist im Umgang mit dieser Finanzkrise vom Weg abgekommen. Und insbesondere der Westen muss einige seiner Grundsätze überdenken.
Die Welt ist immer noch eurozentrisch: So wie Europa mit der Krise umgeht, soll das global gelten. Aber ich zweifle stark an der Unfehlbarkeit der Europäer. Mir missfällt vor allem, dass sie mit zweierlei Maß messen. Jahrhunderte der Hegemonie haben sie überzeugt, sie wüssten, was die Welt braucht: Ihre Werte sind als universal anzusehen; asiatische Werte werden als nicht relevant erachtet.
Das erklärt die vereinfachenden Lösungen, die asiatischen Staaten angeboten werden, wenn Devisenhändler sie ausgelaugt haben. Malaysia sollte die Zinsen anheben, einen Haushaltsüberschuss erzielen, notleidende Banken und Unternehmen bankrottgehen lassen. Das war das Allheilmittel. Aber als die USA und Europa ihrer Finanzkrise ins Auge blickten, taten sie alles, was sie Malaysia und Ostasien verboten hatten. Was in Asien funktionierte, würde angeblich im Westen nicht funktionieren.
Für den Großteil der vergangenen zwei Jahrhunderte war der Kapitalismus für Europa eine klare Sache. Die Produkte der Europäer füllten die Regale der Weltmärkte. Sie dominierten den Welthandel. Und die Menschen in Europa genossen den höchsten Lebensstandard. Diese Geschichte europäischen Wachstums und Wohlstands hätte ewig so weitergehen können.
Doch nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Industrialisierung nach Japan, und die Japaner begannen, günstigere, aber qualitativ hochwertige Waren herzustellen. Daraufhin traten auch Taiwan, Südkorea und China auf den Plan. Kurz gesagt, die Europäer verloren ihre Märkte.
Nicht mehr in der Lage, hier zu konkurrieren, wichen die Europäer und insbesondere die Amerikaner auf die Finanzmärkte aus. Sie erfanden neue Finanzprodukte: die Leerverkäufe von Aktien und Devisen; Subprime-Kredite, die trotz geringer Bonität gewährt werden; die Verbriefung von Krediten oder gehebelte Investitionen über Hedge-Fonds.
Alles schien weiter zu wachsen und zu gedeihen. Aber aus dem Finanzmarkt heraus entstehen keine realwirtschaftlichen Betriebe, er schuf kaum Arbeitsplätze und förderte keinen Handel. Die Akteure dort wurden gierig und missbrauchten das System, indem sie den Markt für höhere Profite manipulierten.










