Dimitris Georgakopoulos könnte einmal ein Held werden. Ein griechischer Held. Er könnte zu denen gehören, die den Karren aus dem Dreck gezogen haben. Dafür muss Georgakopoulos nur seinen Job machen und seine Aufgabe erfüllen. Dummerweise hat er einen Job, mit dem er sich keine Freunde macht, und eine Aufgabe, die kaum zu schaffen ist. Er muss Geld eintreiben. Viel Geld.
Georgakopoulos ist Generalsekretär für die Zoll- und Steuereinnahmen im griechischen Finanzministerium. Kurz gesagt: der oberste griechische Steuereintreiber. Griechen zahlen nicht gern Steuern. Um rund 33 Milliarden Euro haben sie ihren Staat geprellt. So hoch in etwa sind heute die Außenstände. Jahrzehnte schlüpften Unternehmer, Handwerker und Anwälte durch das grobmaschige Netz des Fiskus. Sonderregeln, Vergünstigungen, laxe Kontrollen und Korruption machten es möglich.
Georgakopoulos soll sie wieder einfangen. Er sieht nicht aus wie ein Häscher, eher wie ein typischer Beamter. Die weißen Haare trägt der 60 Jahre alte Vorstadtbewohner zum lockeren Seitenscheitel gekämmt. Die schmale Lesebrille sitzt weit unten auf der Nasenspitze. Er hat sich einen gestutzten Lehrervollbart stehen lassen. Ein dezentes Karo ziert sein blaues Jackett. Von Haus aus ist er Mathematiker.
Doch das Bild trügt, Georgakopoulos ist auf der Jagd. Auf seinem Schreibtisch im achten Stock des Ministeriums hat er ein Poster ausgerollt, eine riesige Luftaufnahme eines vornehmen Athener Vororts. Georgakopoulos weist auf die blauen Rechtecke. Jeder, der hier einen Swimmingpool hat, wurde auf sein Einkommen geprüft. Von 430 Pools, deren Größe auf fünf Zentimeter genau erfasst ist, waren 360 nicht genehmigt oder als Wassertank deklariert. "Wer nicht aktenkundig ist, wird zum Finanzamt zitiert und bestraft", sagt Georgakopoulos. "Auch ein Porsche, der mehrmals im Jahr zum Service muss, gibt Hinweise auf den Lebensstandard."
Von den Einnahmen des Staates wird es abhängen, ob Griechenland seinen Haushalt eines Tages wieder sanieren kann. Ökonomen sind sich einig: Die Einnahmen entscheiden über Erfolg oder Scheitern des Sparprogramms. Sobald nämlich die Regierung in Athen öffentliche Ausgaben kürzen will, stößt sie an ihre Grenzen - trotz der Einsicht vieler Griechen, dass harte Schritte gebraucht werden. Sobald Kürzungen anstehen, reagieren Betroffene und Gewerkschaften mit Streiks.
Wenn jeder entsprechend seinem Einkommen korrekt Umsatz- und Einkommensteuer abführen würde, so rechnet Georgakopoulos vor, könne er jährlich 15 Milliarden Euro mehr einnehmen. "Ich wäre schon mit der Hälfte zufrieden - in den kommenden drei bis vier Jahren." Mindestens zwei Drittel der ausstehenden 33 Milliarden Euro muss der Staat ohnehin abschreiben. Die Steuersünder sind bankrott, verzogen oder tot. Doch die anderen sollen nicht länger ohne Abgaben davonkommen.


















