Politiker und Investoren unterschätzen das Ausmaß und die Folgen der sich verschlechternden Staatsfinanzen in Industriestaaten. Davor warnt Mohamed El-Erian, Chef des weltgrößten Anleihen-Fondsverwalter Pimco.
"Die Bedeutung des Schocks für die öffentlichen Finanzen in entwickelten Volkswirtschaften wird noch nicht ausreichend wahrgenommen und verstanden", schreibt El-Erian in einem am Donnerstag veröffentlichten Gastbeitrag für die Financial Times.
Die wachsende Verschuldung von Ländern werde derzeit "vorrangig - und übermäßig - durch das enge Prisma von Griechenland" betrachtet, so El-Erian. Dabei müssten viele Regierungen schwierige Entscheidungen zu höheren Steuern und geringeren Ausgaben treffen.
Wenn dies nicht rechtzeitig geschehe, "wird sich das Universum wahrscheinlicher Ergebnisse ausweiten auf das Weg-Inflationieren von übermäßigen Schulden und, im Extremfall, auf Zahlungsausfälle und Konfiszierung".
Sorgen um mögliche Staatspleiten treiben die Märkte seit Monaten um. Anleger sorgen sich um Länder wie Dubai und Griechenland. Galten Staatsanleihen von entwickelten Länder früher als praktisch risikofrei, verlangen Investoren mittlerweile teils horrende Risikoprämien. Viele Schwellenländer hingegen, die vergleichsweise gut durch die Krise gekommen sind und oft über solidere Staatsfinanzen verfügen, werden von Investoren bevorzugt.
Und während etwa Irland ein hartes Sparprogramm bislang relativ erfolgreich verfolgt, drohen in Ländern wie Griechenland oder Spanien öffentliche Proteste, die Bemühungen der Regierungen um eine Sanierung der Finanzen abzubremsen.
Der Chefanlagestratege von Pimco, Bill Gross, hatte jüngst bereits mit einer Warnung vor britischen Staatsanleihen für Aufruhr gesorgt. Er verglich die Gilts genannten Papiere angesichts der hohen Verschuldung des Landes und der Pfund-Schwäche mit Nitroglycerin.
In seinem Gastbeitrag warnt El-Erian, die Sanierung der öffentlichen Finanzen sei nach der jüngsten Krise besonders schwer. Gründe seien die ungewöhnlich hohe Arbeitslosigkeit, verhaltenes Wachstum, anhaltend hohe Defizite und Unsicherheit über regulatorische Konsequenzen.
















