Das Urteil der Prüfkommission der Universität Bayreuth ist deutlich: Karl-Theodor zu Guttenberg hat in seiner Doktorarbeit vorsätzlich getäuscht. Das war allerdings schon bekannt. Brisanz erhält der 40-seitige Abschlussbericht der Kommission, weil darin erstmals Guttenbergs Stellungnahme zu den Vorwürfen bekannt wird.
Seine Erklärungsversuche muten peinlich an. Wegen des familiären und beruflichen Dauerstresses will der Ex-Verteidigungsminister den Überblick über sein Werk verloren haben. Um die Erwartungen seiner Familie zu erfüllen und den Doktorvater Peter Häberle nicht zu enttäuschen, habe er die Geschichte trotzdem durchgezogen.
Das Eingeständnis, vorsätzlich getäuscht zu haben, fehlt wie schon in früheren Erklärungen des CSU-Politikers. Stattdessen sind die hohe Arbeitsbelastung und eine zum Teil "chaotische Arbeitsweise" schuld an dem Desaster. Guttenberg - ein Opfer der Umstände.
Mit bewundernswerter Klarheit schlägt die Kommission ihm seine Argumente um die Ohren. "Wer jahrelang akzeptiert, dass er Sorgfaltsstandards nicht einhält, handelt nicht fahrlässig, sondern vorsätzlich, weil er die Sorgfaltswidrigkeit zum bewussten Arbeitsstil erhebt", befindet die Hochschule mit vernichtender Schärfe.
Das Urteil über den Wissenschaftler Guttenberg ist damit gesprochen. Das juristische Nachspiel wird noch folgen. Aber schon jetzt stellt sich die Frage, ob so einer sich Hoffnungen auf ein politisches Comeback machen darf beziehungsweise kann. In der CSU gibt es bereits erste Absetzbewegungen. Der strahlende Held hat ein paar hässliche Narben abbekommen.
Außerdem stimmt es bedenklich, dass sich Guttenberg selbst attestiert, an Überforderung und Stress gescheitert zu sein. Eignet er sich damit für ein hochrangiges politisches Amt? Minister sind schließlich im Dauerstress. Es wäre wohl besser, das Kapitel Guttenberg an dieser Stelle zu schließen.
Quelle: ftd.de
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