Es war eine Pressekonferenz mit Symbolwirkung, die
Wal-Mart-Chef Mike Duke am Dienstag zur Geschäftslage seines Konzerns einberief. Ausgerechnet das Unternehmen, das die US-Konsumwucht zum weltgrößten Einzelhändler gemacht hat, konnte sich im zweiten Geschäftsquartal nur dank seines Auslandsgeschäfts in die schwarzen Zahlen retten. Firmenchef Duke rechnet damit, dass die US-Bürger weiter vorsichtig bleiben beim Geldausgeben.
Die Wal-Mart-Zahlen machen den aktuellen Zustand der amerikanischen Wirtschaft deutlich. Jobsorgen, kriselnder Häusermarkt, Angst vor neuen konjunkturellen Turbulenzen - all das drückt die Kauflaune der Konsumenten. Sie machen über zwei Drittel der Wirtschaftsleistung aus. Die US-Wirtschaft hat also ein ernsthaftes Problem. Der Käuferstreik hat die Erholung ins Stocken gebracht - und bei den Amerikanern Befürchtungen eines Rückfalls in die Rezession, eines sogenannten Double Dip, geweckt.
Angeheizt hatte die Konjunktursorge vergangene Woche die US-Notenbank Federal Reserve. Nach ihrer turnusgemäßen Zinssitzung erklärte sie, das Wachstum werde auf kurze Sicht schwächer ausfallen als erwartet.
Deshalb kündigte sie an, erneut Staatsanleihen zu kaufen, um die langfristigen Kapitalzinsen zu senken und so Investitionen und Konsum anzukurbeln. Offiziell hält die Fed zwar bislang daran fest, dass es keine erneute Rezession gibt. Allerdings sagte Notenbankchef Ben Bernanke bereits kurz vor der Zinssitzung, der Wirtschaftsausblick sei derzeit "ungewöhnlich unsicher".
So erklärt sich auch, dass einzelne Währungshüter die Risiken durchaus unterschiedlich einschätzen. Der Präsident der Fed St. Louis, James Bullard, warnte vor "japanischen Verhältnissen" mit Deflation, also Preisverfall auf breiter Front. Andere setzen dagegen auf eine moderate Erholung und warnen davor, einzelne schwächere Daten überzubewerten.
Ähnlich sehen es prominente Ökonomen. Die Gefahr eines Double Dip sei "nach wie vor gering", sagte Ökonomie-Nobelpreisträger Edmund Phelps gegenüber Capital. Und auch Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, sagte: "Wir gehen von einer Wachstumsdelle aus und erwarten keinen Rückfall in die Rezession." Von einer komfortablen Situation sehen die Ökonomen die USA aber dennoch weit entfernt. "Die Risiken sind zweifellos gestiegen", sagte Berkeley-Ökonom Barry Eichengreen.
Das größte Risiko geht dabei weiterhin vom Finanzsektor aus. "Massive Probleme an den Finanzmärkten - beispielsweise ein deutlicher Einbruch der Aktienpreise oder ein Einfrieren des Interbankenmarkts - würden die Wirtschaft unweigerlich wieder in die Rezession ziehen", warnte Harm Bandholz, Unicredit-Volkswirt in New York.
Ohnehin sieht Rezession in den USA - technisch gesehen - etwas anders aus: Das Nationale Büro für Wirtschaftsforschung (NBER) verwendet nicht die gängige Definition von zwei aufeinanderfolgenden Quartalen schrumpfender Wirtschaftsleistung. Stattdessen werden mehrere Indikatoren berücksichtigt, unter anderem Arbeitsmarkt und Konsum. Ob diese Faktoren das Ausrufen einer Rezession rechtfertigen, entscheidet das NBER erst in der Rückschau.
Die größte Gefahr sehen Ökonomen darin, dass das Land in eine Stimmungsfalle gerät. Das Wachstum bliebe dann anhaltend schwach. Wir erklären, wie der gefährliche Kreislauf aus Finanzwirtschaft, Mittelstand, Immobilien und Arbeitsmarkt aussieht.
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