Der Hausherr ist zum Frotzeln aufgelegt: "Sie befinden sich hier im Kassensaal für die etwas einfachere Klientel", begrüßt Ulrich Schröder, Chef der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), seine Gäste. Die nach Berlin geladenen Banker, Manager und Professoren blicken sich um: kein Protz, kein Prunk, schlichte weiße Wände, nur beim Boden ist am Marmor nicht gespart worden. Zu Kaisers Zeiten kamen die kleinen Leute hierher und ließen sich Geld auszahlen. Bei Interesse, frotzelt Schröder weiter, stelle er sich auch gern zur Verfügung, um den Kassensaal für die betuchtere Klientel zu zeigen.
Andere Zeiten, andere Bedürfnisse. Gäbe es noch einen Kaiser, würde heute der Saal für die Wohlhabenden gestürmt. Seit die Bilanzen der Banken zu Giftmülldeponien verkommen sind, breitet sich die Seuche immer mehr auf den Rest der Wirtschaft aus. Die Finanzkrise sei gefährlicher als al-Kaida, bilanziert der US-Geheimdienst bereits.
Die Liquiditätsspritzen kommen nicht an
Dieser Bedrohung setzt die Bundesregierung den 57Jahre alten Juristen Schröder entgegen. Ihm hat sie einen Großteil der 100Milliarden Euro aus den Rettungspaketen für die Wirtschaft anvertraut. Mit Sonderprogrammen im Umfang von über 40 Milliarden Euro soll sein Institut die Unternehmen vor dem Kollaps bewahren. Nur ein halbes Jahr ist es her, da überwies die KfW 320 Millionen Euro an die bankrotte US-Investmentbank Lehman Brothers und wurde daraufhin als "Deutschlands dümmste Bank" verhöhnt. Nun soll ausgerechnet dieses Institut die deutsche Wirtschaft retten.
"Es ist die Bewährungsprobe für die Bank", sagt Schröder und nippt an seinem Tee aus frischer Ingwerwurzel: "Das macht immun gegen Grippe." Aber nicht immun gegen Schwindsucht.
Schröder weiß, dass seine KfW auf verlorenem Posten kämpft. Die milliardenschweren Liquiditätsspritzen, die Berlin der deutschen Industrie verabreichen will, kommen dort nicht an. Denn die privaten Geschäftsbanken spielen bei der Rettungsaktion nicht mit. "Das Bankwesen ist zur Wegelagerei verkommen", so das vernichtende Urteil eines Topberaters, der ständig aufgebrachte Unternehmer beruhigen muss.
Die Banker selbst schieben alle Schuld von sich und verweisen auf die rigiden Eigenkapitalvorschriften, die ihnen durch die Basel-II-Richtlinien vorgegeben werden. Fakt ist: Eine der schwersten Krisen aller Zeiten könnte viele, selbst gut geführte Unternehmen dahinraffen. Ihnen droht die Liquidität auszugehen.Bislang haben die Unternehmen nur rund 1,9 Milliarden Euro Kredite aus dem staatlichen Notprogramm beantragt, davon hat die KfW Anfang April lächerliche 325 Millionen Euro genehmigt.
Der Seuchentod des Mittelstands
Peanuts angesichts des Gesamtvolumens von 40 Milliarden Euro. Gerade mal 10 bis 20Kreditanträge fürs Sonderprogramm tröpfeln täglich rein, erzählt Werner Oerter, Leiter des Bereichs Mittelstand und des KfW-Sonderprogramms. In seinem Büro im sechsten Stock des Frankfurter Funktionalbaus stapelt sich nichts, nichts auf dem Schreibtisch, nichts in der Mailbox.
550 Anträge haben es bis April hierher geschafft, angesichts der größten Finanzkrise seit den 30er-Jahren seltsam wenig. Natürlich gebe es schon mal "Liegezeiten", sagt Oerter, aber es klemme nichts. "Wir brauchen im Schnitt zehn Arbeitstage", beteuert er. Die KfW will nicht schuld sein am Seuchentod des Mittelstands.








