fällt in der Tat überraschend gut aus. Man möchte meinen, die Herrschaften wollen um jeden Preis gute Laune verbreiten und sich damit manchen Politikern anschließen. Nüchtern betrachtet kann es soweit nicht her sein mit den Aussichten, wenn Geld und Aufträge grundsätzlich zurückgehen, Verschuldung in allen Sektoren jedoch ansteigt auf Rekordniveau bei gleichzeitiger Verschlechterung derer Qualität. Die allseitigen Bemühungen um Verbesserung der Stimmung stimmen eher skeptisch im Hinblick auf Glaubwürdigkeit, Tauglichkeit und Nutzen. Der lachhafte sog. Stresstest für Banken ist ein trauriges Beispiel, wie sich Vertrauen endgültig verspielt.
Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im Juli so stark verbessert wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sei von 101,8 Zählern im Vormonat auf 106,2 Punkte gestiegen, teilte das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Freitag mit. Experten hatten mit der leichten Stimmungseintrübung gerechnet.
Der leicht im Minus gestartete Dax baute seine Gewinne nach Veröffentlichung der Daten aus und stand um gut 60 Punkte unter seinem am Morgen markierten Tagestief. Auch die anderen wichtigen europäischen Börsenbarometer zogen an.
Am stärksten reagierte indes der
Euro: Die Gemeinschaftswährung sprang im Vergleich zum Dollar schlagartig um einen halben Cent auf bis zu 1,2965 Dollar nach oben. Bereits am Vortag hatte sich der Euro zur US-Devise gefestigt, nachdem starke Einkaufsmanagerindizes auf eine bessere Konjunktur diesseits des Atlantiks hoffen ließen. Zudem hatte US-Notenbankchef Ben Bernanke vor der Erholung der amerikanischen Wirtschaft gewarnt und gesagt, die Aussichten seien "ungewöhnlich unsicher".
Die 7000 befragten Unternehmen schätzten sowohl die Aussichten für die kommenden sechs Monate als auch die Lage deutlich besser ein als zuletzt. Das Barometer für die Erwartungen stieg auf 105,5 Punkte von 102,5. Das Lage-Barometer kletterte auf 106,8 von 101,2 Punkten.
"Die deutsche Wirtschaft ist wieder in Partylaune", kommentierte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die Stimmung habe sich in allen großen Branchen verbessert, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger der Nachrichtenagentur Reuters: Der Trend ziehe sich von der Industrie über den Groß- und Einzelhandel bis hin zum Bauhauptgewerbe und den Dienstleistern. Teile der Wirtschaft hätten von der Fußball-WM, aber auch vom heißen Wetter profitiert. Als Beispiele nannte Abberger die Getränkebranche und die Gaststätten.
Auch andere Volkswirte reagierten sehr positiv. "Das sind bombige Zahlen. Unglaublich, was da abgeht", sagte Andre Scheuerle von der Dekabank. "Aber die Einkaufsmanagerindizes haben schon erahnen lassen, dass der Juli ein richtig kräftiger Monat wird." Allerdings werde der Aufschwung nicht in diesem Tempo weitergehen. "Die Konjunktur schaltet im zweiten Halbjahr einen Gang zurück, bricht aber nicht ein."
Auch Ralph Solveen von der Commerzbank zeigte sich überrascht. "Wir hatten mit einem Anstieg gerechnet, aber das hatten wir nicht erwartet." Es handle sich um eine "Wahnsinnszahl". Man müsse "sehr weit zurückgehen, bis man höhere Werte findet".
Zurückhaltender äußerte sich Jens-Oliver Niklasch von der LBBW: "Ich kann mir diese Zahl gar nicht richtig erklären", sagte er. "Wir hatten zwar mit einem leichten Anstieg gerechnet, aber das übertrifft unsere Erwartungen." Die Konjunkturerholung werde sich im dritten Quartal fortsetzen, zeigte sich der Experte überzeugt. Insbesondere in der Industrie scheine es "ganz gut zu laufen".
Kursinformationen + Charts
| Unternehmen | ISIN | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| EUR/JPY SPOT | EUR/USD | ||||
| DAX | DE0008469008.DE | ||||
| EURO STOXX 50 | EU0009658145.STD |
Quelle: ftd.de
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