Hongkong warnt vor Spekulationsblase"; "Indiens Inflation auf 15-Monats-Hoch"; "Chinesische Provinz erhöht den Mindestlohn um 13 Prozent" - wer in diesen Tagen die Schlagzeilen asiatischer Zeitungen liest, bekommt den Eindruck, der Kontinent steht in Flammen. Ursache: Die beispiellosen Aktionen der Regierungen und Notenbanken in der Finanzkrise haben die Kreditvergabe massiv angekurbelt, nun drohen Exzesse an den Märkten und eine galoppierende Inflation.
Die These findet viele Anhänger: vom Internationalen Währungsfonds - der in steigender Kreditvergabe und teuren Vermögenswerten die Vorboten der nächsten Krise sieht - bis zu dem renommierten US-Ökonomen Nouriel Roubini.
Allein: Vereinzelt mag es zwar zu Übertreibungen kommen, etwa auf dem Wohnungsmarkt in Hongkong. Die Furcht vor einer allgemeinen Spekulationsblase an den asiatischen Immobilien- und Aktienmärkten halten viele Ökonomen aber für übertrieben. "Falscher Alarm", sagt Stephen Roach von Morgan Stanley.
"Noch gibt es kein Risiko von spekulativen Blasen", sagt auch Michael Spencer von der Deutschen Bank in Hongkong. Die steigenden Preise, allen voran bei Häusern, seien vielmehr Resultat der erstarkenden Wirtschaft. "Das Bruttoinlandsprodukt in Asien ist schon wieder auf dem Vorkrisenniveau", sagte Spencer. Dass Asien dabei bald an seine Kapazitätsgrenzen stoßen könnte, wie Skeptiker fürchten, hält Duncan Wooldridge von der UBS in Hongkong für übertrieben: "Inflation wird kein Problem werden."
Zudem haben die Notenbanken in Neu Delhi, Peking und Hanoi bereits auf die neue Situation reagiert: "Die Zentralbanken verabschieden sich vom Krisenmodus", sagt Wooldridge. China hat die Kreditvergabe bereits gedrosselt. Nach 30 Prozent Zuwachs im vergangenen Jahr soll das Plus in diesem Jahr nur noch 17 Prozent betragen. Indien hat die Mindestreservesätze angezogen. In Seoul denkt man laut über eine Zinserhöhung nach. "Spätestens im Frühjahr werden die Zinsen in Asien steigen", sagt Spencer.


















