03.03.2010
Die Europäische Zentralbank denkt über nach, die Macht der Ratingsagenturen zu beschneiden.
Die Europäische Zentralbank denkt über nach, die Macht der Ratingsagenturen zu beschneiden.
Foto: dpa-PA

Kommentar

Kein AAA von der EZB

von Christine Mai

Die Macht von S&P, Moody's und Fitch nervt die Euro-Finanzminister. Sie erwägen, Länder von der Europäischen Zentralbank bewerten zu lassen. Das wäre brandgefährlich - und könnte schwere Turbulenzen auslösen.

Der Markt hat ein kurzes Gedächtnis. Das scheint vor allem für Ratingagenturen zu gelten. Anders ist es nicht zu erklären, dass Investoren den neuesten Bewertungen entgegenfiebern und jede Äußerung der Bonitätswächter sich sofort in Kursbewegungen niederschlägt - obwohl die Agenturen mit ihren Beurteilungen von Finanzprodukten vor der Krise ganz weit daneben lagen.

Ihre Macht scheint ungebrochen. Das ärgert viele Politiker, gerade in Europa, gerade in Zeiten, da eine erwartete Äußerung von Moody's zu Griechenland die Märkte in Atem hält. Um sich aus diesem Schwitzkasten zu befreien, könnte doch die Europäische Zentralbank (EZB) eigene Länderratings veröffentlichen, überlegen sich nun die Euro-Finanzminister.

Es klingt verlockend. Die EZB ist absolut seriös, unabhängig und mit geballtem Fachwissen ausgestattet. So mancher europäische Politiker mag schon frohlocken: Endlich nicht mehr abhängig sein von den diskreditierten Analysten, die für ihre Ratings bezahlt werden und noch dazu in Amerika sitzen, pfui.

So richtig es ist, neue Spielregeln für Ratings, ihre Urheber und Verwendung aufzustellen, so falsch und fahrlässig wäre es, in der EZB eine Art Ratingagentur aufzubauen. Ein solcher Schritt würde die Institution politisieren und angreifbar machen.

Man stelle sich vor, die EZB teilt mit: "Griechenland auf Ramsch herabgestuft." Wer verfolgt, wie Investoren auf jegliche Äußerung der Institution reagieren, wird sich die Heftigkeit der Marktbewegungen kaum ausmalen wollen.

Würde die Zentralbank solche Entscheidungen treffen wollen, die ein Land in schwere Turbulenzen stürzen können? Und wer garantiert, dass Regierungen nicht im Vorfeld einer Bewertung nicht zumindest versuchen werden, Einfluss zu nehmen? Eine solche Beurteilung ist eben nicht rein technischer Natur, sie hat eine politische Komponente. Dadurch käme die EZB in eine brenzlige Lage - zumal sich ja auch ihre Mitarbeiter irren könnten. Es ist nicht gesagt, dass ihre Ratings qualitativ automatisch besser wären, und durch Fehleinschätzung würde die Notenbank angreifbar.

Der beleidigte Ruf nach einem Euro-Rating

Besonders ärgerlich ist, dass der Ruf nach einem EU- und Euro-Rating so beleidigt klingt. Die Bewertung der Agenturen passt den Damen und Herren nicht, warum nicht eine eigene backen? Ähnlich wie die im Raum stehende Forderung nach einer staatlichen europäischen Ratingagentur erinnert das fatal an das sogenannte Rating-Shopping, mit dem sich viele private Emittenten die Agentur aussuchen, die die beste Note gibt.

Allenfalls denkbar wäre, dass die EZB bei den Refinanzierungsgeschäften mit Banken durchaus eigene Bewertungen einsetzt - aber nicht über Ratings, sondern in Form von länderspezifischen Abschlägen (Haircuts). Damit würden Banken, die Kredit bei der Zentralbank aufnehmen, nicht mehr ihr gesamtes Kapital zurückerhalten, sondern die EZB würde einen bestimmten Prozentsatz als Risikoentlohnung einbehalten. Auch ein solcher Schritt wäre natürlich nicht völlig unpolitisch. Ein Haircut wäre allerdings deutlich subtiler und nicht so hart zu verkraften wie eine "platte" Note.

Die Politik sollte sich derweil anderswo austoben: Der Markt für Ratings in seiner jetzigen Form ist in der Tat kaputt, er muss dringend neu aufgebaut werden, mit strikten Regeln, die unter anderem mehr Wettbewerb schaffen und die Bedeutung von Ratings in der Regulierung schmälern. Wie sehr es den Agenturen hier ans Leder geht, ob vor allem die Interessenskonflikte beseitigt werden, haben die Politiker selbst in der Hand - die Vorschläge der Europäischen Kommission liegen auf dem Tisch. Hier sollten die EU-Regierungen die Macht der Agenturen brechen - bevor auch sie die allgemeine Amnesie heimsucht.


Quelle: ftd.de
© 2010 capital.de

Schreiben Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel


Ihre Meinung

Ihr Name
Ihre Email-Adresse (wird nicht veröffentl.)
Betreff
Ihr Kommentar



 
Capital - Suche
 
Wohn- und Ferienimmobilien-Kompass
PartnerangebotImmobilien suchen in ...
Alle Zinsen auf einen Blick
Wo Sie günstig finanzieren können und welche Anbieter Sparern die höchsten Renditen bieten.
ProduktMittel-
wert
Spanne
Baugeld (10 Jahre fest)3,03%2,68-4,90%
Tagesgeld (5.000 Euro)1,72%0,22-3,00%
Festgeld (12 Monate)1,79%0,75-3,16%
Sparbriefe (4 Jahre)1,89%0,56-3,50%
Girokonto (Dispo)11,24%5,50-14,50%
Ratenkredite (36 Monate)6,96%4,70-11,61%
Quelle: FMH-Finanzberatung
Marktinformationen

DAXTecDAXDowNAS
Chart
DAX TopsDiff %
Commerzban
ThyssenKru
Deutsche B
Flops
Infineon
adidas
Fresenius
DAX 6.748,76-0,08%
TecDAX 773,61+1,29%
MDAX 10.316,35+0,10%
DOW 12.883,95+0,04%
NASDAQ 2.545,72+0,54%
EUR/US 1,3255+0,02%
GOLD 1.746,00+1,28%
 Quelle: vwd netsolutions GmbH
Suchen im Immobilienkompass
Suche

Wie wohnt es sich in...

PLZ (optional):

Adresse: