13.08.2010
Die Wirtschaft wächst nur so stark, weil sie 2009 mit minus 4,7 Prozent auch historisch tief gefallen ist
Die Wirtschaft wächst nur so stark, weil sie 2009 mit minus 4,7 Prozent auch historisch tief gefallen ist
Foto: dpa-PA

Kommentar

Der ungesunde Jojo-Effekt

von Mathias Ohanian

Der Aufschwung ist XL und der Jubel darüber fällt überschwänglich aus. Dabei ist das Auf und Ab auf Dauer kaum verträglich für die deutsche Wirtschaft. Gesünder wären moderatere Ausschläge - wie zum Beispiel in Frankreich.

Die deutschen Ökonomen überschlagen sich vor Begeisterung: Um mehr als drei Prozent dürfte die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr zulegen, sagen die meisten von ihnen. Grund für den überschwänglichen Gefühlsausbruch ist das sagenhafte Wachstum von 2,2 Prozent im Frühlingsvierteljahr – das größte Quartalswachstum seit der Wiedervereinigung. Das ist einerseits erfreulich.

Andererseits erlebt die hiesige Wirtschaft damit einen Jojo-Effekt, der auf lange Sicht kaum gesund sein kann – nach einem starken Einbruch findet jetzt eine starke Aufholjagd statt. Die Konjunkturdaten zeigen zudem, dass das Wachstum in Deutschland im Winter 2009 keineswegs stockte, sondern sich die stetig positive Entwicklung fortsetzte. Im aktuellen Wachstumssprung erreicht die Entwicklung ihren vorläufigen Höhepunkt.

Ursprünglich hatten die Statistiker für das Ende 2009 noch Stagnation vorhergesagt. Das war seinerzeit Wasser auf den Mühlen von Konjunkturskeptikern und Pessimisten, die sich in ihrer Doomsday-Ansicht bestätigt fühlten. Im Frühling und jetzt im Sommer revidierte Destatis das Bruttoinlandsprodukt unbemerkt von der Öffentlichkeit nach oben - sodass heute ein Plus von 0,3 Prozent für Ende 2009 steht. Ähnlich verhält es sich mit dem ersten Vierteljahr dieses Jahres – hier wurde das Wachstum jetzt deutlich von 0,2 auf 0,5 Prozent nach oben korrigiert.

So erfreulich diese Aufholjagd ist, der Beobachter darf sich nicht täuschen lassen. Die hiesige Wirtschaft wächst bloß so stark, weil sie im vergangenen Jahr mit minus 4,7 Prozent auch historisch tief gefallen ist. Das liegt an der starken Exportorientierung.

Das Wohl und Wehe steht und fällt hierzulande mit der Entwicklung in den USA und den aufstrebenden Schwellenländern – allen voran China. Und für diese Länder weisen die Frühindikatoren bereits seit einiger Zeit nach unten – entsprechend wird auch die Geschwindigkeit des Wachstums in Deutschland so nicht beibehalten werden können.

Die Hoffnung bleibt, dass aufgrund der niedrigen Zinsen und der geringen Arbeitslosigkeit die deutschen Verbraucher in den kommenden Monaten für zusätzliche Impulse sorgen. Dennoch ist es an der Zeit, die Exportabhängigkeit der deutschen Wirtschaft zu verringern und den Binnenkonsum und Binneninvestitionen in den Dienstleistungssektor zu stärken.

Andere Volkswirtschaften in Europa legen Wert auf eine stete Konjunkturentwicklung mit stabilerem Binnenkonsum und mehr Investitionen. Das beste Beispiel hierfür ist Frankreich. Dort ist die Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr nur um rund zwei Prozent gefallen. Und im diesjährigen zweiten Quartal um recht beachtliche 0,6 Prozent gewachsen, teilte das französische Statistikamt mit.

Das Nachbarland könnte damit ein Vorbild für Deutschland sein – nicht zuletzt deshalb, weil von zusätzlichem Binnenkonsum auch die europäischen Nachbarländer profitieren würden. Die Importe aus den in Schieflage geratenen Südländern könnten zulegen, wenn Deutschland sich umorientiert. Denn wie es jetzt aussieht, driftet Europa erschreckend schnell auseinander: Griechenlands Wirtschaft brach im zweiten Quartal um 1,5 Prozent ein. Das Projekt Euro ist mehr denn je in Gefahr.


Quelle: ftd.de
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Quelle: FMH-Finanzberatung
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