Gierige Banker, überbezahlte Manager, blutleeres Wachstum, Arbeitslosigkeit auf hartnäckig hohem Niveau - das sind nur ein paar der Themen, die die Menschen auf die Straße getrieben haben. Die Bürger in den Industrieländern sind unzufrieden mit dem Kapitalismus. Das System, so der weitverbreitete Eindruck, liefert nicht mehr.
Weniger als die Hälfte der Briten und Amerikaner, die die PR-Firma Edelman 2011 für ihr "Trust Barometer" befragte, glauben, dass die Wirtschaft das Richtige tut. Damit schneiden die USA und Großbritannien nur marginal besser ab als Russland. Wir sprechen deshalb von einer Legitimitätskrise. Die Betriebslizenz der Wirtschaft erodiert.
Das Vertrauen in den Kapitalismus hat abgenommen - dabei ist es die Grundvoraussetzung für den Erfolg jedes Geschäfts. Es gibt einen guten Grund für den Vertrauensverlust: die wachsende Ungleichheit. Eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ergab kürzlich, dass die reichsten Amerikaner in den vergangenen drei Jahrzehnten den Großteil der Einkommenssteigerungen eingeheimst haben. Ähnliches gilt in Großbritannien. In beiden Ländern haben Firmen- und Finanzmanager die Beute zu weiten Teilen unter sich aufgeteilt.
Der Autor Stewart Lansley schreibt in seinem neuen Buch über "Die Kosten der Ungleichheit", dass die moderne Wirtschaft aus zwei Spuren zu bestehen scheint: einer Schnellspur für die Superreichen und einer verstopften Spur für alle anderen.
Vor dem Ausbruch der Finanzkrise 2007 stieg der Lebensstandard der Menschen auf der langsamen Spur - obwohl sich ihr Realeinkommen nicht veränderte. Sie beliehen einfach ihre Häuser stärker.
Seit Ausbruch der Krise jedoch sinkt der Lebensstandard der Hausbesitzer in den USA und Großbritannien, und sie kämpfen, um ihre einmalig hohen Schulden bedienen zu können. Gleichzeitig, so Lansley, habe die globale Elite der Superreichen eine neue Cashcow entdeckt: das Finanzwesen.









