Arundhati Roy ist Schriftstellerin. Ihr bekanntestes Buch ist "Der Gott der kleinen Dinge". Jüngst erschien ihre Essay-Sammlung "Broken Republic".
Ist es ein Haus oder ein Heim? Ein Tempel des neuen Indien oder ein Lagerhaus für seine Geister? Alles hat sich geändert, seit Antilla auf der Altamount Road in Mumbai auftauchte, geheimnisvoll und auf stille Weise bedrohlich. Ein Freund brachte mich dorthin und sagte: "So, da wären wir. Huldige unserem neuen Herrscher."
Antilla ist die teuerste Unterkunft, die je errichtet worden ist, sie gehört Mukesh Ambani, dem reichsten Mann Indiens. 27 Stockwerke, drei Hubschrauberlandeplätze, neun Fahrstühle, hängende Gärten, Tanzsäle, Wintergärten, Fitnessräume, Parken auf sechs Stockwerken, 600 Bedienstete. Von all dem hatte ich gelesen, doch der vertikale Rasen traf mich völlig unvorbereitet - eine in die Höhe steigende Wand aus Gras an einem gewaltigen Metallgitter. Es gab trockene Flecken, Teile des Rasens waren in ordentlichen Rechtecken abgefallen. Das "Durchsickern-nach-unten" hat augenscheinlich nicht funktioniert.
Was in Indien sehr wohl funktioniert hat, ist das "Sprudeln nach oben". Die 100 reichsten der 1,2 Milliarden Einwohner vereinigen Vermögenswerte auf sich, die einem Viertel des BIPs entsprechen.
Älteren Gerüchten zufolge leben die Ambanis nicht in Antilla. Vielleicht tun sie es inzwischen, aber die Menschen murmeln noch immer von Geistern, Unglück, Vastu und Feng-Shui. Ich denke, es ist alles die Schuld von Marx. Der Kapitalismus, so schreibt er, hat so gewaltige Produktions- und Tauschmittel hervorgezaubert, dass er dem Hexenmeister gleiche, "der die unterirdischen Gewalten nicht mehr zu beherrschen vermag, die er heraufbeschwor".
Die 300 Millionen von uns, die zur neuen Mittelschicht gehören, die in Indien nach den Reformen entstanden ist, leben Seite an Seite mit den Geistern der 250.000 schuldengeplagten Bauern, die sich selbst umgebracht haben, und mit den 800 Millionen, die in die Armut getrieben und enteignet wurden, um Platz für uns zu machen. Und die mit weniger als 50 Cent pro Tag überleben müssen.
Ambanis persönliches Vermögen beläuft sich auf über 20 Mrd. Dollar. Er hält die Mehrheit an Reliance Industries Limited (RIL), einem Konzern mit 2410 Mrd. Rupien (36,9 Mrd. Euro) Marktwert. RIL besitzt 95 Prozent der Anteile an Infotel, das kürzlich ein großes Aktienpaket eines Medienkonzerns erwarb, der Nachrichten- und Unterhaltungssender im Fernsehen betreibt. Infotel besitzt die einzige landesweite Lizenz für Mobilfunk der vierten Generation. Ambani gehört auch ein Kricketteam.










