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01.09.2010
 An den europäischen Terminmärkten müsse es Obergrenzen für Rohstoffverträge geben
An den europäischen Terminmärkten müsse es Obergrenzen für Rohstoffverträge geben
Foto: Getty

Kampf gegen Spekulanten

EU will Rohstoffmärkte zähmen

von Reinhard Hönighaus

Spekulanten treiben den Preis für Weizen, Kakao und Soja in die Höhe. Um das einzuschränken, plant EU-Binnenmarktkommissar Barnier auch in Europa den Agrarhandel mit strengen Regeln zu versehen.

Die EU-Kommission will auf Betreiben Frankreichs Spekulationen mit Agrarrohstoffen, Öl und Metallen bremsen. Die "manchmal brutale Entwicklung an diesen Märkten" sei zum Teil auf Akteure an den Finanzmärkten zurückzuführen, erklärte Binnenmarktkommissar Michel Barnier am Dienstag in Brüssel. Bereits geplante Regeln für den Derivatehandel reichten nicht aus, um die Rohstoffspekulation zu bändigen. "Ich denke, wir müssen weiter gehen", sagte Barnier und kündigte eine ressortübergreifende Initiative seiner EU-Behörde an.

Der französische Kommissar greift damit einen Vorstoß seines Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy auf. Dieser hatte den Kampf gegen die Rohstoffspekulation zu einem Hauptziel erklärt, sobald sein Land ab November für ein Jahr den Vorsitz der Industrie- und Schwellenländer G20 übernimmt. Regierungsbeamte in Paris erinnerten am Dienstag an die Spekulationswelle Mitte 2008, als der Rohölpreis auf über 145 Dollar je Barrel stieg. In Zeiten niedriger Zinsen stecken Investoren auf der Jagd nach Rendite ihr Geld derzeit vermehrt in Agrarrohstoffe wie Weizen, Kakao und Soja.

Laut Bank of America Merrill Lynch hat das Volumen solcher Fonds seit Jahresbeginn um 20 Prozent auf 200 Mrd. Dollar zugelegt. Mit Wetten an den Terminbörsen verstärken die finanzstarken Spieler Kursausschläge und Preissteigerungen, die auf Missernten und gesteigerte Nachfrage zurückgehen.

"Wir halten die Regulierung des Handels mit Rohstoffderivaten für unzureichend", heißt es in einem Brief an die EU-Kommission, den die Regierung in Paris am Dienstag veröffentlichte. Finanzministerin Christine Lagarde, Energieminister Jean-Louis Borloo und Agrarminister Bruno Le Maire fordern darin mehr Transparenz im Terminhandel und eine neue Aufsichtsinstanz, die neben oder innerhalb der geplanten europäischen Wertpapieraufsicht ESMA eingerichtet werden solle. An den europäischen Terminmärkten müsse es Obergrenzen für Rohstoffverträge geben, die große Händler nicht überschreiten dürfen.

Mit diesem Vorschlag orientiert sich die französische Regierung an der im Juli von US-Präsident Barack Obama verabschiedeten Finanzreform. In den Vereinigten Staaten soll die zuständige Terminbörsenaufsicht CFTC künftig feste Limits für Spekulanten setzen. Finanzinvestoren sollen im Rohstoffhandel nur noch eine bestimmte Anzahl Kontrakte halten, um nicht mehr den Preis bestimmen zu können. Bereits jetzt veröffentlicht die CFTC wöchentlich die großen Handelspositionen in den einzelnen Märkten.

Dagegen ist der in London konzentrierte europäische Terminhandel vergleichsweise intransparent. Im Juli beschwerten sich die Anbauländer und Importeure von Kakao über mutmaßliche Marktmanipulationen an der Londoner Terminbörse NYSE Euronext-Liffe. Der Hedge-Fonds-Manager Andy Ward hatte dort auf einen Schlag sieben Prozent der weltweiten Kakaoernte gekauft. Schokoladenhersteller warfen Ward vor, die Preise zu treiben.

Die britische Finanzaufsicht FSA hat sich bisher aber gegen feste Limits im Rohstoffhandel ausgesprochen. Neuen Transparenzregeln für den außerbörslichen Handel mit Kreditausfallderivaten, die die Kommission am 15. September vorstellen will, will sich Großbritanniens Regierung aber nicht widersetzen. Einem Gesetzesvorstoß der EU müssten eine Mehrheit der EU-Staaten und das EU-Parlament zustimmen.


Quelle: ftd.de
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Quelle: FMH-Finanzberatung
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