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19.01.2012
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Foto: Bloomberg

Joseph Stiglitz

Es geht noch schlimmer!

von Joseph Stiglitz

Das vergangene Jahr hat zahlreiche Hoffnungen enttäuscht. Wenn sich die Politik weiterhin von überholten Ideologien und Lobbyisten leiten lässt, verschärft sich die Lage 2012 noch.

Joseph Stiglitz ist Professor an der Columbia University und Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften

2011 wird als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem viele der sonst so optimistischen Amerikaner begannen, die Hoffnung zu verlieren. Präsident John F. Kennedy sagte einmal, dass die Flut alle Boote anhebe. Aber jetzt läuft das Wasser ab, und die Amerikaner stellen fest: Es wurden nicht nur die Boote mit den größeren Masten deutlich höher angehoben, nein, viele kleinere Boote wurden im Fahrwasser der größeren zerschmettert.

Für den kurzen Moment, als tatsächlich Flut herrschte, glaubten Millionen Menschen, sie hätten eine echte Chance, den amerikanischen Traum zu realisieren. Mittlerweile schwinden auch diese Träume. Die Ersparnisse derer, die 2008 oder 2009 ihre Arbeit verloren hatten, waren bis 2011 aufgezehrt. Auch mit dem Arbeitslosengeld war Schluss. Die Firmen stellen nicht schnell genug wieder ein, um Schritt zu halten mit der Zahl derjenigen, die normalerweise auf den Arbeitsmarkt drängen würden. Und die 50-Jährigen haben ohnehin kaum Hoffnung, je wieder einen Job zu bekommen.

Menschen im mittleren Alter, die damit rechneten, für einige Monate ohne Arbeit sein, wurden zwangsweise in Rente geschickt. Junge Menschen, die frisch von der Universität kommen und Zehntausende Dollar Schulden für ihre Ausbildung angehäuft haben, finden keine Arbeit. Menschen, die bei Freunden oder Verwandten eingezogen waren, sind obdachlos geworden. Häuser, die während des Immobilienbooms gekauft worden waren, sind noch immer auf dem Markt oder wurden mit Verlust verkauft. Über sieben Millionen amerikanische Familien haben ihr Heim verloren.

Auch in Europa zeigte sich die Schattenseite des Finanzbooms. Die Unentschlossenheit wichtiger Regierungen im Fall Griechenland und die Vorliebe für Sparpläne haben vergangenes Jahr einen hohen Tribut gefordert. Italien wurde infiziert. Spaniens Arbeitslosenquote, die seit Beginn der Rezession bei knapp 20 Prozent lag, stieg noch höher. Das Undenkbare, das Ende des Euro, wirkte gar nicht mehr so unmöglich.

Und dieses Jahr wird voraussichtlich noch schlimmer. Natürlich ist es möglich, dass die USA ihre politischen Probleme lösen und endlich die Arbeitslosigkeit mithilfe von Konjunkturmaßnahmen auf sechs oder sieben Prozent drücken (eine Rückkehr zu den vier, fünf Prozent, die vor der Krise herrschten, wäre zu viel erwartet). Aber das ist ebenso unwahrscheinlich wie die Möglichkeit, dass Europa erkennt, dass Sparen allein die Probleme nicht lösen wird. Das Gegenteil trifft zu: Sparsamkeit wird die Wirtschaft nur noch schneller abkühlen. Bleibt das Wachstum aus, wird sich die Schuldenkrise - und die Euro-Krise - nur verschlimmern. Und die langwierige Krise, die mit dem Platzen der Immobilienblase 2007 einsetzte, und die nachfolgende Rezession werden fortdauern.


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Festgeld (12 Monate)1,51%0,50-3,00%
Sparbriefe (4 Jahre)1,64%0,45-3,25%
Girokonto (Dispo)11,03%5,50-13,81%
Ratenkredite (36 Monate)6,82%4,33-11,99%
Quelle: FMH-Finanzberatung
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Quelle: Smarthouse Media, SIX Telekurs
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