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20.08.2010
 CAPITAL-SERIE Interview der Woche

Die Macher der Finanzszene stellen sich den Fragen der capital.de-Redaktion


Josef Kaesmeier, Chefvolkswirt von Merck Finck & Co
Josef Kaesmeier, Chefvolkswirt von Merck Finck & Co
Investor-Artikel

Interview mit Josef Kaesmeier

"Deutschland produziert, was die Schwellenländer brauchen"

von Ludwig Heinz

China-Wochen in Deutschland: Im zweiten Quartal wuchs die deutsche Wirtschaft wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Josef Kaesmeier, Chefvolkswirt von Merck Finck & Co, spricht über zu viel Optimismus, das US-Schul­denproblem und welche Aktien ihm gefallen.

Herr Kaesmeier, im ersten Halbjahr waren die Piigs-Staaten das große Thema an den Finanzmärkten. Welche werden es im zweiten Halbjahr und 2011 sein?

Was die Euro-Randstaaten betrifft, wird es wohl weiterhin hin und wieder Verun­sicherung geben. Das größere Problem sehe ich aber in der Schuldensituation der USA. Im Augenblick muss man sagen, dass da keine Lösung in Sicht ist. Man plant nur weitere Schulden, falls die US-Konjunktur erneut stottern sollte.

Wie gravierend ist das Problem?

Die Frage ist, wie lange die Amerikaner eigentlich noch Schulden machen können. Wenn Jahr für Jahr zehn Prozent Neuverschuldung draufgelegt werden, sind die 100 Prozent Verschuldungsquote schnell überschritten. Die USA gehen schlicht davon aus, dass sie sich als wichtigste Wirtschaftsnation bei den Schulden mehr erlauben können als andere Länder. Möglicherweise will der Rest der Welt ab einem gewissen Punkt jedoch keine US-Anleihen mehr kaufen.

Dann gibt es doch immer noch die US-Zen­tralbank Fed, die einspringen kann.

Ja, aber wenn die Fed dann massenhaft Staatsanleihen aufkauft, wird das fatale Folgen für die Wechselkurse haben. Dann werden diejenigen, die derzeit meinen, der Euro sei wertlos und werde sowieso auseinanderfliegen, feststellen, dass der Dollar nichts wert ist.

Zuletzt kamen auch schlechte Konjunkturdaten aus Amerika, die Ängste vor einem Rückfall in die Rezession schürten. Müssen wir uns ernsthaft Sorgen machen?

Josef Kaesmeier ist seit Januar 2010 Chefvolkswirt von Merck Finck & Co. Im Investment Committee, das die Anlagestrategie des Hauses festlegt, ist er mitverantwortlich für das Makroresearch und die Asset-Allocation. Daneben liegt sein Analyseschwerpunkt im ­Bereich Schwellenländer und Megatrends. Von 1993 bis 2009 war er Mitgesellschafter der Merck Finck Invest Kapitalanlagegesellschaft.
Nein, die US-Konjunktur ist bisher sehr gut gelaufen, nun sind wir an einem Punkt, ab dem es flacher aufwärtsgeht. Ein Double Dip ist aber in einer solchen Phase unwahrscheinlich. Der würde allenfalls von einem externen Schock ver­ursacht, wie wir ihn in den 70er-Jahren in Form des Ölpreisschocks hatten.

Dagegen werden die Wachstumsprognosen für Deutschland gleich reihenweise nach oben revidiert. Was halten Sie davon?

So wie einige Prognostiker zunächst noch fast absurd pessimistisch waren, als die Konjunktur bereits kräftig drehte, übertreiben einige jetzt nach oben und sehen schon die Drei vor dem Komma. Ich rechne mit zwei Prozent, es kann auch ein bisschen mehr werden. Deutschland ist in der glücklichen Lage, dass die hiesigen Unternehmen das produzieren, was die Schwellenländer brauchen - und dort brummt die Konjunktur.

Was bedeutet das für die Zinsen am Kapitalmarkt und für die Geldanleger?

Bei den Zinsen sind zwei Szenarien denkbar. Möglicherweise sind wir in einer Situation, in der die Zinsen steigen, weil die Wirtschaft besser läuft als erwartet. Das wäre zwar schlecht für Anleihen, weil dann deren Kurse fallen, aber gut für Aktien. Das Szenario fallender Zinsen hieße: schwächere Konjunktur, aber dafür viel Liquidität, weil die Notenbanken weiter Geld reinpumpen. Das wäre auch nicht schlecht für Aktien.

Dann führt also derzeit kein Weg an Aktien vorbei; und welche Regionen würden Sie empfehlen?

Definitiv die Emerging Markets, beispielsweise durch den Kauf von entsprechenden Länderfonds. Man kann aber auch DAX-Werte wie Siemens, BASF oder Daimler kaufen, die ihre Produkte im großen Stil in den Schwellenländern absetzen. Deutsche Autohersteller wissen im Moment gar nicht, wie sie die boomende Nachfrage aus China befriedigen sollen.

Welche Länder gefallen Ihnen am besten?

Wir hatten im vergangenen Jahr China und Brasilien stark gewichtet und favorisieren jetzt Russland und Indonesien. Darüber hinaus gefällt mir Indien derzeit sehr gut.


Quelle: Börse Online = Börse Online
© 2010 capital.de

Was die Leser sagen

Andreas Hoffmann
24.08.2010 | 15:45
Aktien, oder nicht?

Sicherlich hat Herr Siegfried Bauer nicht unrecht, wenn er auf die omnipresenten Gefahren in der aktuellen Weltwirtschaft hinweist. Dennoch sehe ich keine Alternative zu Aktien als Investment. Gold? Wenn ich es jetzt erst kaufe, ist es eine denkbar schlechte Geldanlage in Bezug auf Renditechancen.
Es gibt jede Menge Aktien, die über Substanz verfügen, Dividenden ausschütten und attraktiv bewertet sind. Lieber vertraue ich mein Geld Unternehmen an, die in der Vergangenheit Ihr professionelles Wirtschaften unter Beweis stellten, als Edelmetallen, deren reeller Wert fraglich und sehr volatil ist.

Siegfried Bauer (Siggi40)
23.08.2010 | 13:18
„Dann führt also derzeit kein Weg an Aktien vorbei“

Jetzt Aktien kaufen, noch schneller werden Sie Ihr Geld nicht los.
In den letzten zwei Jahren haben die Staaten weltweit ca. 30 Billionen Dollar für Banksterrettungs- und Konjunkturstrohfeuerpakete ausgegeben, ohne den gewünschten Erfolg. Die Bankster sind immer noch genau so pleite wie 2007 und bisher sind alle Konjunkturstrohfeuerpakete verpufft, ohne einen selbsttragenden Aufschwung auszulösen.
Im Quartalsbericht 06/2008 der BIZ geht hervor, dass die Bankster weltweit auf über 600 Billionen Dollar absolut wertloser Papierschnipsel sitzen, die sie aus den Bilanzen ausgelagert haben, um den sofortigen Kollaps zu vermeiden. Dagegen sind die Rettungspakete nur ein Tropfen Wasser auf einem heißen Stein. Dafür sind jetzt die Retter pleite.
Im Juni 2010 wurde in den USA ein Konjunkturstrohfeuerpaket beendet, die Steuergutschrift auf neu erstellte Häuser. Bereits im Juli brach der Umsatz um 32% ein, der größte Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen.
Die größte Volkswirtschaft der Welt, die die Weltwirtschaft 20 Jahre lang am Laufen hielt, hat Mitte 2007 aufgehört zu existieren, als das Perpetuum-Mobile, Leben auf Pump, aufgehöhrt hatte zu Laufen. Um den sofortigen Kollaps der US-Wirtschaft zu verhindern, hatte Obama die Rückzahlung der 2700 Milliarden Dollar Kreditkarten- und Kleinkredite ausgesetzt. Die Realwirtschaft wurde nach China, Indien und Bangladesch ausgelagert, lediglich 2% sind verblieben.
Unser derzeitiger Exportboom, auch in die USA, wer hätte dies jemals wieder gedacht, ist lediglich dem positiven Denken geschuldet. Jeder Arbeitslose kann sich seinen (letzten) Traum von der großen Freiheit auf 4 Rädern Made in Germany ohne Anzahlung erfüllen, die erste Rate ist in 2 Jahren fällig. So kann man mit einem M5, AMG, oder RS6 zur Suppenküche fahren.
Unser Export in die Schwellenländer beruht auf ähnlichen Erfolgsgeheimnissen. Als die chinesische Regierung im Dezember die Kreditvergabe an jedermann, a la USA, einschränkte, brach unser Absatz im Januar gleich um 50% weg.

Der Boom an den Börsen im Jahre 2009 wurde ausschließlich mit den zinslosen Milliarden und Billionen der Zentralbanken beflügelt. Allein im Juni 2009 erhielten Europas Bankster fast zinslos 442 Milliarden Euro Steuergelder von der EZB, um damit die Wirtschaft mit Krediten zu versorgen.(Die US-Bankster 1500 Milliarden Dollar). Doch die dachten nicht mal im Traum daran und verzockten fast die gesamten Steuergelder im Eigenhandel und an den Börsen!! Nicht mehr und nicht weniger.
Man sucht halt immer noch nach immer neuen Dummen, die jetzt noch Aktien kaufen.
Ob er Euro, der Dollar, oder die chinesischen Immobilienblasen kollabieren spielt eigentlich keine Rolle. Der Dominoeffekt sorgt dafür, dass die Börsianer arbeitslos werden. Das spielt sich dann innerhalb von Stunden ab, nicht in Wochen oder Monaten. Grüße aus 1929, auch damals gab es ein Zwischenhoch.
Das alles wäre nicht mal ein Problem. Nur die Beendigung der Krise bereitet mir Sorgen. Die letzte Krise, die um ein vielfaches kleiner war als die derzeitige, wurde in Europa erst mit Kriegsvorbereitungen, und in den USA 1941 mit dem Kriegseintritt beendet. Und welche Alternative haben wir 2010? Zumindest kann man nichts falsch machen, wenn man sein Vermögen in Edelmetalle umschichtet. In weiser Voraussicht.

(Kommentare 1-2 von 2)

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Ratenkredite (36 Monate)6,96%4,44-11,61%
Quelle: FMH-Finanzberatung
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 Quelle: vwd netsolutions GmbH
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