Der DGB-Querdenker übersieht, dass die von der EZB aufgekauften Ramschanleihen frisch gedrucktes Geld auf den Markt bringt, dem keine wirtschaftliche Gegenleistung gegenübersteht. Wenn die Sparquote abnimmt und die aufgeblähte Geldmenge von der EZB noch nicht aus dem Geldumlauf abgeschöpft wurde, tritt Inflation ein, weil der Geldschein-Inhaber den wirtschaftlichen Gegenwert in Form von Waren fordert.
Man kann nicht sagen, dass Gustav Horn zu den Mainstream-Ökonomen gehört. Viele Volkswirte glauben, die Europäische Zentralbank (EZB) habe mit dem Beschluss, Staatsanleihen aufzukaufen, ihre Unschuld verloren. Horn bestreitet das: Die EZB habe sich nicht dem Druck der Politiker gebeugt, sondern dem der Ereignisse.
Herr Horn, was halten Sie von dem Rettungspaket für die angeschlagenen Euro-Länder?
Es war völlig richtig, dieses Paket zu schnüren. Schließlich ging es nicht mehr um einzelne Länder wie Griechenland, sondern um die Euro-Zone insgesamt. Man musste befürchten, dass sich die Spekulanten das nächste Opfer suchen. Deshalb galt es, einen Rettungsschirm zu spannen, zu sagen: Wir stehen zusammen für den gemeinsamen Wirtschafts- und Währungsraum ein. Das signalisiert den Märkten, dass sie es sich zweimal überlegen sollten, gegen diesen Schutzwall anzutreten. Das hat auch gewirkt. Aus der Spekulation gegen Staatsanleihen wurde hektisch ausgestiegen.
War es wirklich nötig, die EZB einzubinden?
Es ist richtig, dass die EZB Staatsanleihen ungeachtet des Ratings kauft - und zwar aus zwei Gründen. Erstens wird damit den Ratingagenturen signalisiert: Wir hören nicht mehr auf euch. Das ist vernünftig, weil diese Institutionen mehr Unheil anrichten als Nutzen stiften. Zweitens wird damit klargemacht, dass sich eine Spekulation gegen Staatsanleihen nicht lohnt. Sie werden im Zweifel von der EZB aufgekauft, also monetarisiert.
Schürt das nicht Inflationsängste?
Ja, besonders bei deutschen Ökonomen. Ich halte das aber für unbegründet. Natürlich wird derzeit Liquidität in den Markt gepumpt, sofern das nötig ist. Aber die kann man jederzeit wieder aus dem Markt ziehen, sobald die Krise vorbei ist. Es handelt sich um ein Instrument, das nur in einer Krise angewendet werden darf, nicht im Normalbetrieb. Ich habe keinen Zweifel, dass die EZB das genau so handhabt.
leitet seit Januar 2005 als wissenschaftlicher Direktor das damals neu gegründete Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf. Von 1986 bis 2004 war er beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) tätig, von 1998 an als Abteilungsleister Konjunktur. 2008 wurde Horn von der "Financial Times Deutschland" (FTD) als bester Prognostiker ausgezeichnet.
Sie glauben, dass es zu keinen massiven Spekulationswellen mehr kommt?
Wahrscheinlich nicht, weil jeder Spekulant befürchten muss, sich jetzt eine blutige Nase zu holen. Daher wird es gar nicht dazu kommen, dass man den Notfallfonds in starkem Umfang nutzen muss. Die Zinssätze auf griechische Staatsanleihen sind stark gefallen, womit Griechenland wieder in die Lage kommt, sich vielleicht aus eigener Kraft aus der Situation herauszubewegen.
Sie glauben ernsthaft, das Land kann sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen?
Die Chancen dafür sind jedenfalls gestiegen. Ob es gelingt, hängt natürlich davon ab, ob Griechenland die längerfristigen Notwendigkeiten erfüllt. Dazu gehört der Aufbau eines vernünftigen Steuersystems, in dem auch Menschen mit höherem Einkommen effektiv besteuert werden. Das wird nicht von heute auf morgen gehen, sondern ist ein langer Reformprozess.
Viele Bürger befürchten, dass Euroland zu einer Transferunion wird.
In gewisser Hinsicht ist diese Entscheidung schon in dem Moment gefallen, als man einen gemeinsamen Binnenmarkt errichtet hat. Da war eigentlich klar, dass alle Beteiligten schicksalhaft miteinander verbunden sind. Man kann nicht sagen: "Wir lassen die Griechen hängen." Weil sonst die Vermutung entsteht, man lässt den Rest auch hängen. Sobald es im Währungsgebiet nicht mehr rund läuft, kommt die Frage von Transfers auf den Tisch. Ein Transfersystem, wie es in den Nationalstaaten existiert, wird nicht gewünscht, weil man damit ein gerüttelt Maß an nationaler Souveränität aufgeben müsste und Mittelabflüsse automatisiert würden. Eine Alternative wäre ein Europäischer Währungsfonds, der beobachtet, wo Fehlentwicklungen entstehen.
Sind wir mit dem Notfallfonds bereits auf dem Weg dahin?
Er könnte eine Keimzelle werden. Die Mittel, die nun im Notfallfonds angesiedelt sind, müssten dann auf den Europäischen Währungsfonds übertragen werden. Der könnte sie einsetzen, wenn Euro-Staaten in Zahlungsbilanzschwierigkeiten geraten.
Was die Leser sagen
Auch ein Herr Horn kann nicht wissen wohin die Reise bezüglich Inflation geht. Allerdings zeigen die derzeitigen Renditen für 10-jährige deutsche- oder auch US-Staatsanleihen tatsächlich, dass die Marktteilnehmer mit keiner wesentlichen Inflation rechnen. Nicht umsonst liegen die 10-Jahres-Zinsen bei rund 3%.
Gut, es kann auch anders kommen, der Markt hat nicht immer Recht, aber er liegt im Mittel immer besser als irgend welche "Experten"-Meinungen. In diesem Fall liegt der Experte auf "Marktmeinung" und unterstreicht damit seine Glaubwürdigkeit.
Das Problem ist ein Anderes. Zu kurzfristige Rettungsschirmen kann man stehen wie man will, das eigentliche Problem ist aber, dass Griechenland und weitere Südländer überschuldet sind und gewaltige Haushaltsdefizite aufweisen. Diese können realistisch betrachtet durch Wachstum nicht mehr aufgefangen werden. Über kurz oder lang werden diese Länder eine Um- oder Entschuldung brauchen. Wenn die EZB die Anleihen dieser Länder aufkauft, geht diese Umschuldung zu Lasten von Ganzeuropa, besonders aber zu Lasten von Deutschland, das 1/3 sämtlicher Schulder dieser astronomischen Summe zahlen müsste. Da die Südländer zu allem Überfluss auch noch ein strukturelles Problem haben und Deindustrialisierungstendenzen aufweisen, wird es einen Riesencrash geben. Die Finanzkrise liegt nicht hinter und sondern direkt vor uns!
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