Deutschlands oberster Schuldenmanager warnt im Fall einer Pleite Griechenlands vor einem Auseinanderreißen der Währungsunion. "Sollte eines der 16 Euro-Mitgliedsländer pleite gehen, würde das gesamte System zusammenbrechen", sagte Carl Heinz Daube, Direktor der deutschen Finanzagentur, am Donnerstag, laut den Nachrichtenagenturen Reuters und Bloomberg auf einer Konferenz in London. "Das wäre das Ende für die Währungsunion." Solch ein Szenario sei aber unwahrscheinlich, sagte Daube.
Im nachfolgenden Interview mit Reuters präzisierte Daube die Aussage dahingehend, dass die momentanen Probleme einiger Mitgliedsländer der EU von den Regierungen zu lösen seien, nicht aber von ihren Schuldenagenturen.
Die Aussagen Daubes verstärken den Handlungsdruck der europäischen Gemeinschaft, Griechenland im Notfall beizustehen. Athen ächzt unter einer hohen Schuldenlast. Das Haushaltsdefizit liegt mit 12,7 Prozent weit über den Obergrenzen des Stabilitätspakts. Premierminister Giorgios Papandreou stemmt sich mit einem rigiden Sparkurs gegen die Vertrauenskrise. Nächster wichtiger Schritt ist eine Anleihenemission im Umfang von 5 Milliarden Euro. Sie könnte bereits nächste Woche stattfinden.
Die Nervosität der Anleger ist enorm. Jüngster Auslöser sind Äußerungen von Standard & Poor's (S&P) und Moody's. Die Ratingagenturen stellten eine Revision der Bonitätsnote Griechenlands in Aussicht, sofern die Regierung in Athen ihre Sparpläne nicht wie angekündigt umsetzt. "Die Bonitätsnote Griechenlands könnte auf Sicht mehrerer Monate um mehrere Stufen gesenkt werden, wenn die Regierung hinter ihren Sparzielen zurückbleibt", sagte Pierre Cailleteau, Managing Director bei Moody's, am Donnerstag in Tokio.
Der Euro fiel auf ein Jahrestief zum japanischen Yen. Die Gemeinschaftswährung notierte bei 120,04 Yen und 1,3471 Dollar. Die Risikoaufschläge bei Kreditderivaten (Credit Default Swaps, CDS) weiteten sich deutlich aus. Der griechische CDS-Spread erhöhte sich um sechs auf 381 Basispunkte. Das bedeutet, dass es jährlich 381.000 Dollar kostet, um griechische Anleihen im Wert von 10 Millionen Dollar abzusichern. Auch die CDS-Aufschläge Italiens, Portugals und Spaniens weiteten sich aus.








