10.03.2010
Angela Merkel beim Februargipfel in Brüssel.
Angela Merkel beim Februargipfel in Brüssel.
Foto: reuters

Griechenland und die Folgen

Merkel will Spekulation auf Staatsbankrotte stoppen

von Claudia Kade und David Böcking

Zusammen mit drei europäischen Amtskollegen fordert die Bundeskanzlerin die EU-Kommission zu Schritten gegen Zocker am Kapitalmarkt auf. US-Präsident Obama signalisiert Zustimmung, die Briten warnen dagegen vor voreiligen Entscheidungen.

Als Konsequenz aus der Griechenland-Krise will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Spekulationsgeschäfte auf Staatspleiten stoppen. In einem Brief an EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und EU-Ratspräsident Jose Rodriguez Zapatero fordert Merkel zusammen mit ihren Kollegen aus Frankreich, Griechenland und Luxemburg eine möglichst rasche Untersuchung der Geschäfte mit Kreditausfallversicherungen (CDS) für Staatsanleihen europäischer Länder, berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD). Wenn sich dabei der Verdacht auf Marktmissbrauch erhärtet, verlangen Merkel, Nicolas Sarkozy, Giorgos Papandreou und Jean-Claude Juncker eine härtere Gangart.

Unter anderem sollen CDS-Geschäfte verboten werden, die nicht der Absicherung von Zahlungsausfällen dienen. Das heißt, nur wer tatsächlich Staatsanleihen kauft, darf künftig auch die entsprechenden Ausfallversicherungen erwerben. Zu den Vorschlägen der vier Regierungschefs zählen außerdem Mindesthaltefristen für CDS-Geschäfte. Darüber hinaus fordern die Spitzenpolitiker in ihrem gemeinsamen Schreiben schärfere Regeln für Derivate-Transaktionen. Diese sollen an ein Derivate-Transaktionsregister gemeldet werden, zu dem die Aufsichtsbehörden unbegrenzt Zugang haben sollen.

Der Vorstoß hat offenbar prinzipiell die Unterstützung des US-Präsidenten. Nach Beratungen mit Barack Obama sagte der griechische Premier Giorgos Papandreou am Dienstag, Obama begrüße entsprechende europäische Initiativen. Er habe vom Präsidenten in dieser Frage eine "positive Antwort" erhalten, zitierte die Finanzagentur Bloomberg Papandreou. Der amerikanische Regierungssprecher Robert Gibbs hatte zuvor gesagt, die Europäische Union solle im Kampf gegen die griechische Schuldenkrise die Führungsrolle übernehmen.

Briten warnen vor voreiligen Schritten

Bei CDS-Absicherungsgeschäften werden Ausfallrisiken von Anleihen oder Krediten - auch von Staaten - gehandelt. Sie stehen wegen der Griechenland-Krise erneut am Pranger. Der CDS-Markt soll Spekulationen gegen das hoch verschuldete Euro-Land noch verstärkt haben.

Die britische Finanzaufsichtsbehörde FSA warnte vor voreiligen Schritten gegen CDS-Leerverkäufe. Man sei offen für Diskussionen, sagte FSA-Chef Adair Turner am Mittwoch. CDS-Verkäufe seien aber "nicht die Hauptursache dafür, wie sich die Wahrnehmung von Griechenlands Risiko entwickelt hat".

Am Mittwoch wurden Versicherungen gegen den Ausfall griechischer Staatsanleihen wieder günstiger. Die fünfjährigen CDS fielen nach Daten von CMA Datavision auf 274,4 Basispunkte. Das bedeutet, eine Versicherung für 10 Millionen Euro griechischer Schulden gegen Zahlungsausfall kostet derzeit 274.400 Euro. Zum Handelsschluss in New York am Freitag waren es noch 290,9 Basispunkte gewesen.

Mit Agenturen


Quelle: ftd.de
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Quelle: FMH-Finanzberatung
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