Die Europäische Zentralbank (EZB) diskutiert, wie sie den Einfluss der Ratingagenturen beschränken kann. Mit Blick auf Griechenland, dessen Refinanzierung von dem Urteil von Moody's abhängt, sagte EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny: "Das Schicksal Griechenlands, und, etwas dramatischer ausgedrückt, Europas hängt vom Urteil einer einzigen Ratingagentur ab. Das ist eine nicht hinnehmbare Situation." Nowotny kündigte Änderungen an, ohne aber Details zu nennen: "Wir können die Ratingagenturen nicht verändern. Wir können aber die Abhängigkeit von ihnen verringern."
Auslöser für die Debatte ist die Schuldenkrise Griechenlands. Die Hellenen ächzen unter einem Haushaltshaltsdefizit von 12,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Standard & Poor's (S&P) und Fitch stuften die Bonitätsnote Athens deshalb auf "BBB"-Niveau herab. Moody's ist die einzige Agentur, die Griechenland noch mit "A2" bewertet.
Für die Refinanzierung des Landes und seiner Banken ist das entscheidend. Die EZB akzeptierte vor der Krise nur Papiere mit einem Rating von "A-" als Sicherheit für Repo-Geschäfte. Während der Turbulenzen lockerte sie die Vorschrift. Sollte sie die Regeln wie geplant zurücknehmen und Moody's Griechenland herabstufen, könnten die hellenischen Institute nicht länger Staatsanleihen bei der EZB parken und dafür Kredit bekommen. Mögliche Konsequenz: Die Rendite auf griechische Staatsanleihen steigt sprunghaft an, was die Kapitalaufnahme für das Land und seine Banken enorm verteuern würde.
Um die Abhängigkeit von den Ratingagenturen zu verringern, kann die EZB eigene Länderratings aufbauen. Nach Informationen des "Handelsblatts" gibt es dazu entsprechende Überlegungen der Euro-Finanzminister. Der zusätzliche Personalaufwand wäre gering, nur 10 bis 20 neue Mitarbeiter müssten eingestellt werden, hieß es. Die Notenbank verfüge schon heute über eine "der am besten ausgestatteten Research-Abteilungen", sagte Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer der Zeitung.
Ebenfalls denkbar wäre es, wenn die EZB sämtliche Papiere als Sicherheiten akzeptiert, dafür aber Abschläge ("Haircuts") vornimmt. Das würde bedeuten, dass die Banken, die Kredit bei der Zentralbank aufnehmen, nicht mehr ihr gesamtes Kapital zurückbehalten, sondern die EZB einen bestimmten Prozentsatz als Risikoentlohnung einbehält. Die Praxis ist unter Privatbanken üblich, wäre aber aus Expertensicht politisch brisant.
















