Griechenland wird nach Meinung von Kenneth Rogoff wahrscheinlich nicht das einzige Euro-Land bleiben, das den Internationalen Währungsfonds (IWF) um Hilfe bitten muss. Irland, Spanien und Portugal seien "auffällig verwundbar", sagte der Harvard-Professor und frühere IWF-Chefökonom, der Nachrichtenagentur Bloomberg.
"Die Wahrscheinlichkeit, dass wir in den kommenden zwei bis drei Jahren ein IWF-Programm in mindestens einem anderen Euro-Staat brauchen, ist höher, als dass das nicht passiert", sagte Rogoff. "Die Budgetkürzungen, die in vielen europäischen Ländern nötig sind, sind tiefgreifend."
Die Regierung in Athen hatte am Freitag den IWF und die anderen Euro-Länder offiziell um Hilfe gebeten. Die Renditen auf Staatsanleihen des hoch verschuldeten Landes waren zuvor massiv in die Höhe geschnellt und hatten diesen Schritt erzwungen. Das Hilfspaket soll zunächst rund 45 Milliarden Euro umfassen, wobei 30 Milliarden Euro von den Euro-Staaten und 15 Milliarden Euro vom IWF kommen sollen. Experten erwarten aber, dass Griechenland insgesamt über die kommenden Jahre deutlich mehr brauchen wird - eine Einschätzung, die Rogoff teilt.
Mit der Rettung Griechenlands soll auch ein Übergreifen der Verunsicherung an den Märkten auf andere als finanzschwach angesehene Euro-Länder vermieden werden. In der vergangenen Woche legten die Renditen von portugiesischen, spanischen und irischen Staatsanleihen bereits deutlich zu - was sich am Montag fortsetzte: Der Risikoaufschlag, den Investoren dafür verlangen, dass sie zehnjährige portugiesische Bonds statt vergleichbaren Bundespapieren halten, kletterte am Montag auf 205 Basispunkte und damit auf ein neues Rekordhoch.
Das Land gilt als nächster Kandidat für eine ernste Krise. Portugal ist zwar weniger hoch verschuldet als Griechenland, wird vor allem aufgrund seiner schwachen Wettbewerbsfähigkeit als verletzlich eingeschätzt. Die Kosten für eine Absicherung gegen einen Zahlungsausfall des Landes schossen am Montag ebenfalls auf einen neuen Höchststand: Laut dem Datendienstleister CMA Datavision erreichten Kreditderivate (Credit Default Swaps, CDS) auf fünfjährige Staatsanleihen um rund zehn Basispunkte auf 288. Damit kostet es 288.000 Euro im Jahr, Bonds im Wert von 10 Millionen Euro zu versichern.
Experten warnen seit Längerem vor einer Ansteckung anderer Länder - vor allem, da die EU kaum die Mittel für weitere Hilfsaktionen aufbringen dürfte. Gerade eine Schieflage Spaniens gilt als kritisch, die Volkswirtschaft des Landes ist vier Mal so groß wie die griechische. Die Schulden des Landes machen zwar nur 53,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, sind aber mit 560 Milliarden Euro rund doppelt so groß wie die Griechenlands.
Auch die Hellenen werden an den Märkten weiter misstrauisch beäugt. Hintergrund ist die Unsicherheit über den Zeitpunkt und die genaue Ausgestaltung der Hilfe. Die Renditen auf zweijährige griechische Staatsanleihen schossen am Montag um 262 Basispunkte auf 13,6 Prozent. Auch die Renditen auf zehnjährige Papiere und CDS legten zu. Der Euro verlor 0,4 Prozent auf 1,3334 Dollar.
Quelle: ftd.de
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