17.11.2008

Foto: dpa

Entschädigung

Kaupthing will Regelung ohne Sicherungsfonds

Die zwangsverstaatlichte Kaupthing-Bank in Island hat Aussagen von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) über die Entschädigung von 30.000 deutschen Kunden zurückgewiesen. Steinbrück hatte zuvor versprochen, sie würden ihre Spareinlagen über den isländischen Sicherungsfonds zurückerhalten.

Banksprecher Jónas Sigurgeirsson sagte der Nachrichtenagentur dpa am Montag: "Wir verstehen nicht, warum die deutsche Seite eine Entschädigung über Islands Einlagensicherungsfonds abwickeln will. Das könnte Monate dauern." Die deutschen Kunden warten seit Oktober auf die Rückzahlung von Einlagen über 308 Millionen Euro. Steinbrück hatte am Wochenende angekündigt, dass die deutschen Kunden der isländischen Bank voll entschädigt würden. Die Kunden in Deutschland würden vom isländischen Einlagensicherungsfonds so behandelt wie isländische Kunden. Der Kaupthing-Sprecher erklärte, dass eine direkte Auszahlung in Deutschland ohne Einschaltung des isländischen Sicherungsfonds "für die Kunden viel schneller geht".

Das habe man auch bei Verhandlungen letzte Woche in Berlin von isländischer Seite vorgeschlagen. Während alle Gelder bei einem direkten Vorschuss der Bundesregierung "innerhalb weniger Tage" ausgezahlt werden könnten, könnte es über die isländischen Stellen mehrere Monate für die Kunden dauern. Die Rückzahlung des Hilfskredites an die Bundesregierung bezeichnete der Kaupthing-Sprecher als gesichert: "Es liegen genügend Werte in der deutschen Kaupthing-Tochter, um die offene Summe komplett abzudecken." Die isländische Bank verfüge über ausreichend Barmittel und Assets, um alle Einlagen in Deutschland abzudecken.

Kaupthing wünsche denselben Prozess, wie er bereits in Österreich, Norwegen, Schweden und Finnland mit der vollständigen Rückerstattung aller Kundeneinlagen abgeschlossen worden sei.

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hatte im Oktober die deutsche Niederlassung der isländischen Bank Kaupthing geschlossen. Die Bafin begründete das sogenannte Moratorium damit, dass die verbliebenen Vermögenswerte gesichert werden müssten. Es bestehe die Gefahr, dass die Niederlassung ihre Verpflichtungen gegenüber Gläubigern nicht mehr erfüllen könnte. Nach Bafin-Angaben hatte die isländische Muttergesellschaft Kaupthing den Zugriff auf die Onlinekonten der Niederlassung in Deutschland gesperrt, nachdem sie der Kontrolle der isländischen Finanzaufsicht unterstellt worden war. Die deutsche Kaupthing-Niederlassung hat nach Angaben der Bafin etwa 30.800 Kunden und Einlagenverbindlichkeiten in Höhe von 308 Millionen Euro.


© 2008 capital.de

Was die Leser sagen

Karl-Heinz F.
18.11.2008 | 12:49
Island macht deutschen Kaupthing-Kunden Hoffnung

Zitat: "Kaupthing hatte die deutschen Kunden mit Hochzinskonten gelockt."
Lieber Redakteur, bitte unterlassen Sie derart tendenziöse Feststellungen. Bei 5,1 % Zinsversprechen zzgl. 0,55 % befristeter Bonus für Tagesgeld handelt es sich um keine "Hochzinskonten". Andere Bankinstitute boten Mitte 2008 nur unwesentlich weniger Zins für Tagesgeld.

(Kommentare 1-1 von 1)

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Quelle: FMH-Finanzberatung
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