28.05.2010
Die Renten spielen eine wichtige Rolle bei der nach der Finanzkrise nötigen Haushaltskonsolidierung.
Die Renten spielen eine wichtige Rolle bei der nach der Finanzkrise nötigen Haushaltskonsolidierung.
Foto: Fotolia

Empfehlung aus Brüssel

EU-Bürger sollen später in Rente gehen

von Peter Ehrlich und Reinhard Hönighaus

Der Entwurf für ein Grünbuch der Kommission empfiehlt die regelmäßige Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Das größte Problem dabei ist Frankreich.

Die Europäische Kommission empfiehlt den Mitgliedsstaaten der EU eine deutliche Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Das Renteneintrittsalter solle regelmäßig so angehoben werden, dass durchschnittlich nicht mehr als ein Drittel des Erwachsenenlebens im Ruhestand verbracht werde. Ohne ein höheres Rentenalter drohe eine "schmerzhafte Kombination aus geringeren Zahlungen und höheren Beiträgen", heißt es im Entwurf für ein Grünbuch der Kommission zur Rentenpolitik.

Mit ihrem Grünbuch, das vor der Sommerpause vorgelegt werden soll, reagiert die Kommission auf die schnellere Alterung der europäischen Gesellschaften. Sie weitet zugleich ihre makroökonomischen Empfehlungen aus. Die Renten machen einen erheblichen Teil der Staatsausgaben aus und spielen daher eine wichtige Rolle bei der nach der Finanzkrise nötigen Haushaltskonsolidierung. Griechenland etwa hat für drei Jahre alle Rentenerhöhungen ausgesetzt.

Nach den Berechnungen der EU-Kommission liegt das reale Renteneintrittsalter derzeit im Durchschnitt der Union nur knapp über 60 Jahre, deutlich niedriger als im Durchschnitt aller Mitglieder der Industrieländerorganisation OECD, die bei Männern auf 63,5 und bei Frauen auf 62,3 Jahre im Durchschnitt kommt. Damit kommen in der EU schon heute auf jeden Rentner nur drei aktiv Beschäftigte, 2030 würde das Verhältnis bei unverändertem Renteneintrittsalter auf zwei Aktive pro Rentner sinken und 2060 hätten die Rentner die Mehrheit - drei Aktive müssten für vier Pensionäre sorgen.

Eine längere Lebensarbeitszeit und eine höhere Beteiligung am Erwerbsleben könnte diesen Effekt abmildern, heißt es in dem Papier. Bereits 2005 hatten die EU-Staaten sich vorgenommen, das reale Rentenalter auf 65 zu steigern. Die EU will in ihrer Strategie 2020 außerdem das Ziel festlegen, dass 75 Prozent der 18- bis 65-Jährigen am Erwerbsleben teilnehmen.

In dem Papier wird darauf verwiesen, dass derzeit rund ein Drittel des Lebens über 18 in der Rente verbracht wird. Um diesen Anteil stabil zu halten, sei es eine "vielversprechende Option", das Renteneintrittsalter automatisch an die längere Lebensdauer anzupassen. Die Kommission schätzt, dass die Europäer im Jahr 2060 etwa sieben Jahre länger leben als heute.

Demnach müsste das Renteneintrittsalter um vier Jahre und acht Monate verschoben werden - von den heute angestrebten 65 auf knapp 70 Jahre. In Deutschland wird von 2012 bis 2030 in kleinen Schritten die Rente mit 67 eingeführt, die Verlängerung könnte danach einfach fortgeschrieben werden.

Gefunden bei
www.ftd.de

Den dringendsten Reformbedarf gibt es derzeit in Frankreich: Dort gehen Männer mit durchschnittlich 58,7 Jahren in Rente, dem niedrigsten Wert in der EU und OECD. Präsident Nicolas Sarkozy hat die Rentenreform einschließlich Abschaffung von Sonderregelungen für den öffentlichen Dienst und bestimmte Branchen zur "Mutter aller Reformen" erklärt.


Quelle: ftd
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Quelle: FMH-Finanzberatung
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