79 Prozent aller Führungsspitzen plädieren für einen Regierungswechsel bei der Bundestagswahl im September und fast ebenso viele (78 Prozent) sind für eine erneute Amtszeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das geht aus einer Umfrage unter 658 repräsentativ ausgewählten Führungsspitzen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung hervor, die das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) für Capital regelmäßig durchführt.
Allerdings hielten noch im Dezember 2008 rund 78 Prozent Merkel für eine "starke Kanzlerin", jetzt sind es nur noch 64 Prozent. Ihrem Gegenspieler, SPD-Außenminister Frank-Walter Steinmeier trauen nur 37 Prozent das Kanzleramt zu. Dafür kann der neue Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg auf eine breite Unterstützung bauen. So haben 74 Prozent aller Führungskräfte eine positive Meinung von ihm. Die Präferenz für die Parteienkonstellation der neuen Bundesregierung ist fast ebenso eindeutig: 69 Prozent wünschen sich nach der Bundestagswahl eine Koalition aus CDU/CSU und FDP.
Aufschwung nicht vor 2010
Die derzeitige wirtschaftliche Lage beunruhigt Deutschlands Top-Entscheider weiterhin stark. Gut drei Viertel (78 Prozent) der Elite zeigen sich sehr beunruhigt über die augenblickliche Situation. Die Auswirkungen des Abschwungs bekommen nun auch immer mehr Unternehmen zu spüren. So gaben 51 Prozent der Top-Manager aus der Wirtschaft an, ihr Unternehmen sei von der Flaute stark beziehungsweise sehr stark betroffen. Im Dezember letzten Jahres sagten dies lediglich 35 Prozent. Dementsprechend bezeichneten 57 Prozent die Auftragslage ihres Unternehmens jetzt als weniger bis gar nicht gut.
An eine kurzfristige Erholung der Konjunktur in Deutschland innerhalb der nächsten sechs Monate glaubt lediglich ein Viertel der Befragten. 39 Prozent rechnen sogar mit einer noch weiter zurückgehenden Konjunktur, weitere 36 Prozent aber mit einer stabilen Entwicklung auf dem heutigen Niveau. Der Großteil der Entscheider erwartet nicht vor 2010 eine Aufwärtsbewegung: Für 20 Prozent kommt diese im ersten Halbjahr des nächsten Jahres, für 37 Prozent erst im zweiten Halbjahr 2010 und für 16 Prozent noch später.
Weitgehende Einigkeit besteht auch darüber, dass sich die deutsche Wirtschaft nach der Krise auf einem niedrigeren Niveau einpendeln wird. Allensbach-Chefin Renate Köcher beobachtet bei der Bewertung der wirtschaftlichen Lage zwar "keine Panik". Die Mehrheit der Top-Manager erwartet aber eine mehrjährige Schwächephase.
Verunsicherung bei den Führungskräften in der Wirtschaft
Die Finanzkrise hat auch bei vielen erfolgsverwöhnten Top-Managern selbst Spuren hinterlassen und zu mehr Selbstkritik und Verständnis für die öffentliche Kritik geführt. 39 Prozent der Manager berichteten von Situationen, in denen sie ratlos oder unsicher waren, ob sie auf die Krise richtig reagieren. Mit 60 Prozent hatte allerdings die Mehrheit keinen Zweifel an der Richtigkeit ihres Handelns. Ein knappes Drittel (31 Prozent) fühlte sich zudem als Getriebener der Ereignisse und bei 28 Prozent hat die Krise das Weltbild verändert.
Selbstkritisch konstatierten nahezu alle Top-Manager (95 Prozent), dass das Vertrauen in die Kompetenz der Wirtschaftselite durch die Krise gelitten hat. Knapp zwei Drittel (65 Prozent) empfinden die öffentliche Kritik an ihrem Berufsstand als angemessen.
Verhältnis zwischen Staat und Wirtschaft vor Umbruch
Die Finanzkrise wird das Verhältnis von Staat und Wirtschaft nachhaltig verändern. Davon gehen 70 Prozent der Führungskräfte aus. 56 Prozent erwarten, dass die Politik als Folge der Finanzmarktkrise gegenüber der Wirtschaft zudem deutlich an Gewicht gewinnen wird. Von der Richtigkeit der Reaktionen der Bundesregierung auf die Finanzkrise sind mit 71 Prozent die meisten nach wie vor überzeugt. Allerdings haben viele Führungskräfte Zweifel, ob die Politik ausreichend Einfluss auf den Verlauf der Krise nehmen kann. Gut zwei Drittel (68 Prozent) gehen davon aus, dass die Politik von den Ereignissen getrieben wird.
Mehr darüber erfahren Sie in Capital Heft 7/2009, das am 18. Juni erscheint.
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