Chinas Regierung und Notenbank gelingt es offenbar, das Wachstum und die Inflation in Schach zu halten. Im zweiten Quartal verlangsamte sich das Plus des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 11,9 auf 10,3 Prozent. Die Teuerung nahm im Juni von 3,1 auf 2,9 Prozent ab. "Die Kombination zeigt, dass die Abkühlungsaktionen Pekings greifen", sagte Minggao Shen, China-Volkswirt bei
Citigroup. "Wir gehen deshalb davon aus, dass Politik und Notenbank deshalb etwas von der Bremse gehen werden."
Alarmierend ist allerdings die Entwicklung der Industrieproduktion. Hier ging der Zuwachs im Juni von 16,5 Prozent auf 13,7 Prozent deutlich stärker zurück als erwartet. Tao Dong, China-Volkswirt bei Credit Suisse, bezeichnete die Zahlen als "größte Sorge". Darunter leiden die Unternehmen: Der größte gelistete Stahlkocher Baoshan Iron & Steel sah sich gezwungen, die Preise zu senken, um überhaupt noch Käufer zu finden.
Peking stemmt sich gegen eine Überhitzung der Wirtschaft - und dämmt die Kreditvergabe ein. Statt 10.000 Milliarden Yuan (1160 Milliarden Euro) an neuen Darlehen sollen dieses Jahr nur 7500 Milliarden Yuan ausgereicht werden. Zudem wird der Spielraum der Geschäftsbanken durch die Erhöhung des Mindestreservesatzes eingeschränkt. Darüber hinaus verschärft Peking die Anforderungen bei Immobilienkrediten.
Peking muss darauf achten, dass die Wirtschaft nicht zu stark abgebremst wird. Investoren sorgen sich um einen Wachstumseinbruch. Das spiegelt sich unter anderem am Aktienmarkt wider: Der Shanghai Composite gab seit Jahresbeginn mehr als 25 Prozent ab - und gehört damit weltweit zu den Indizes mit der schlechtesten Entwicklung.
Die meisten Volkswirte allerdings halten die Wachstumsängste noch für übertrieben. Sie erwarten ein "Soft Landing" der chinesischen Wirtschaft. "Aus unserer Sicht hat Peking genügend Flexibilität, um das Wachstum zu stützen, sofern die Abkühlung ausgeprägter ausfällt als erwünscht", sagte Wensheng Peng, China-Volkswirt bei Barclays Capital. Für 2010 prognostiziert er ein Plus von 10,1 Prozent, für 2011 sagt er ein Wachstum von neun Prozent voraus. Als Abwärtsrisiko schätzt er den Immobilienmarkt ein.

















