"Vorbei. Im Spätsommer 2010 wusste es noch keiner, aber da fand offenbar die Zinswende statt." >> Solche falschen Behauptungen regen mich auf. Viele Praktiker sind bereits letztes Jahr im Sommer von einem Zinsanstieg ausgegangen und haben für Ihre Kunden die Niedrigzinsen gesichert. Das Deflationsgerede kam doch überwiegend von Theoretikern, die anscheinend klüger sind und alles besser wissen.
Zinsanstieg. Das Wort ist in den vergangenen fünf Jahren, in denen ausschließlich von Niedrigzinsen, Rekordtiefständen und historisch niedrigen Zinsen die Rede war, fast schon in Vergessenheit geraten. Baufinanzierung war so günstig wie nie, ein Ende schien nicht in Sicht.
Vorbei. Im Spätsommer 2010 wusste es noch keiner, aber da fand offenbar die Zinswende statt. Mehr und mehr zeichnet sich ab: Die Kapitalmarktzinsen steigen. Sie geben auch die Richtung für das Baugeld vor. Für Hypothekenkredite mit zehnjähriger Zinsbindung verlangten Banken nach Berechnungen der FMH-Finanzberatung Mitte Dezember im Durchschnitt effektiv 3,78 Prozent Zinsen pro Jahr. Das ist zwar immer noch günstig, aber eben knapp ein halber Prozentpunkt mehr als noch im September 2010. Da waren es nur 3,29 Prozent.
Was auf den ersten Blick wie eine minimale Differenz erscheint, verteuert den Haus- oder Wohnungskauf spürbar: Bei einem Darlehen über 200.000 Euro stiegen seit Herbst vergangenen Jahres die anfänglichen Zinskosten von 548,33 Euro auf 630 Euro pro Monat. Auf eine Zinsbindung von zehn Jahren gerechnet, muss der Eigentümer nun rund 9800 Euro mehr bezahlen.
Zuerst sah es noch nach den üblichen leichten Zinsschwankungen aus, zunehmend erweist es sich als eindeutiger Trend: "Wir erwarten auf Sicht der nächsten zwölf Monate einen weiteren Anstieg der Zinsen", sagt Christian Walburg vom Verband deutscher Pfandbriefbanken. Auch Robert Haselsteiner, Vorstand des Finanzierungsvermittlers Interhyp, rechnet damit, dass sich "der Aufwärtsdruck beim Baugeld fortsetzt".
Die Zeit der Super-Schnäppchen-Zinsen ist vorbei. Wer in absehbarer Zeit eine Immobilie kaufen möchte oder eine auslaufende Hypothek refinanzieren muss, kann sich das derzeitige Zinsniveau per Forward-Darlehen für die kommenden Jahre sichern. Risiko: der Zeitraum. Je länger das Darlehen läuft, desto höher die Kosten. Und desto unsicherer die Zinsprognose. Zudem unterscheiden sich die Konditionen bei den Banken. Die Hausbank ist nicht immer der richtige Ansprechpartner.
Sorge um steigende Schuldenlast treibt die Zinsen
Was die Zinsen in die Höhe treibt, ist zum einen die Sorge um die steigende Schuldenlast weiterer Euro-Staaten. Als im Frühjahr 2010 Griechenland vor der Pleite stand, zählten deutsche Bauherren zunächst noch zu den Profiteuren. Investoren suchten Zuflucht in deutschen Staatsanleihen. Die Nachfrage trieb die Kurse der Bundespapiere in die Höhe und deren Renditen weiter in den Keller. Wer mehr verdienen wollte, setzte auf Pfandbriefe - jene Papiere, in denen Hypothekenkredite gebündelt am Anleihemarkt verkauft werden.
Weil sie grundsätzlich ein höheres Ausfallrisiko als Staatsanleihen bergen, werden sie auch etwas besser verzinst. "Die Zinssätze von Pfandbriefen liegen in der Regel 20 Basispunkte über denen von Bundesanleihen gleicher Laufzeit", sagt Finanzökonom Hans-Joachim Dübel, Geschäftsführer des Berliner Analysehauses Finpolconsult. "Die große Nachfrage nach Pfandbriefen ließ aber auch deren Zinssätze sinken." Für Banken, die regelmäßig ihre Immobilienkredite über Pfandbriefe refinanzieren, sanken die Kosten. Und weil die Banken sich günstiger refinanzieren konnten, wurde es auch für deutsche Bauherren billiger: Die konkurrierenden Banken buhlten bis Ende August mit immer niedrigeren Zinssätzen um Kunden.

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