Es ist die Nacht nach dem Big Bang, die Nacht nach dem Angriff, und nun sitzen sie hier, die Schuldigen, die Bestraften. Oben die Kronleuchter, die mit Stuck besetzte Decke, unten die Banker mit vollen Gläsern. Und noch geht es heiter zu! Feierabend, man lacht, man blödelt, man entspannt sich. Wie immer hier, im "Counting House" auf Londons Cornhill Street, im Herzen der City of London.
Nein, die Feierlaune will sich keiner verderben lassen, auch nicht von der spektakulären Strafsteuer auf Boni, die der britische Finanzminister Alistair Darling am Mittag verhängt hat. Überhaupt die Boni. Darüber kann man wirklich auch morgen noch sprechen. "Alles halb so wild", sagt ein Banker an der runden Theke der imposanten Trinkhalle in der Nähe der Bank of England. Damit will der Staat sich sanieren? "Peanuts!", tönt ein anderer. Und im beliebten The Hatchet, bei O'Neills: Weihnachtslichter, alles blinkt, auch die Gesichter.
Erst nach ein paar Pints oder dem ein oder anderen Glas Wein kommt er dann doch hoch, der Ärger. Das Unverständnis. Der Missmut, über das, was die Regierung ihnen antun will. "So kann man uns doch nicht behandeln", schimpft ein 25-Jähriger, der im Asset-Management tätig ist. Er steht vor einer Corney & Barrow-Weinbar im Schatten des Nat West Towers und zieht an seiner Zigarette. "Wir arbeiten so hart. Der Finanzsektor, die Banken - das ist doch das Blut der britischen Wirtschaft. Wir schmeißen den Laden hier. Und was bekommen wir dafür?" Er schüttelt den Kopf. "Eine völlig überflüssige, populistische Bestrafung, die dem Land mehr schaden als nützen wird. Das ergibt keinen Sinn."
Ob sinnvoll oder nicht: Großbritannien macht Ernst. Als erstes Land haben die Briten am Mittwoch eine saftige Steuer auf Bankerboni eingeführt. Die Hälfte von allen Sonderzahlungen über 25.000 Pfund schluckt der Fiskus. Ein einmaliger Schritt, den andere Staaten bislang gescheut haben. Und der London teuer zu stehen kommen könnte.
Kaum ist der kühne Plan der Regierung verkündet, geht das Geschrei los, und die Gespenster wandeln. Das Gespenst vom Exodus der Banker. Vom Ende des Finanzplatzes London. "Purer Populismus", ätzt die konservative Opposition und sieht in der Strafsteuer den Versuch der Labour-Regierung, vor der Parlamentswahl verlorenes Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen. Von anderer Seite gibt es Beifall: Ein "überfälliger Schritt", loben die Gewerkschaften.
Von der Sondersteuer betroffen sind laut britischem Finanzministerium rund 20.000 Banker. 550 Millionen Pfund will Darling so von den Banken "für die Steuerzahler zurückholen". Geld, das der Staat in die Institute während der Finanzkrise stecken musste.









