Der gestohlene Dienstwagen von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) ist wieder da. Ein Sprecher des Bundeskriminalamts bestätigte am Mittwoch eine entsprechende Meldung der "Rheinischen Post". Demzufolge wurde der rund 100.000 Euro teure Mercedes am Dienstagabend in der Nähe von Schmidts spanischem Urlaubsort Alicante wiedergefunden.
Die Diebe hätten offenbar wegen der erhöhten medialen Aufmerksamkeit das Interesse an dem Wagen verloren, berichtete die Zeitung. Nach ersten Erkenntnissen ist das Auto unbeschädigt. Schmidt will am Mittwoch zurück nach Deutschland reisen.
Der Dienstwagenklau erwischt die Sozialdemokraten auf dem falschen Fuß. Am Dienstag wollte Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier die Bundestagskandidaten seiner Partei auf den Wahlkampf einstimmen. Und am Donnerstag soll die Vorstellung seines Kompetenzteams folgen. Schmidt erwägt nach Informationen des "Handelsblatts", auf einen Platz im Kompetenzteam zu verzichten. Das Blatt meldete am Mittwoch unter Berufung auf Parteikreise, die Ministerin sei "im Gespräch mit den entscheidenden Personen".
Missliche Affäre
Schmidt hatte zuvor ungeachtet des Streits um die Nutzung ihres Dienstwagens im Urlaub breite Rückendeckung von der SPD erhalten. Sie erwäge gleichwohl den Rückzug, um den ohnehin schwierigen Wahlkampf ihrer Partei nicht durch die fortwährende Debatte über ihre Dienstwagennutzung zu belasten, hieß es. SPD-Bundesgeschäftsführer Kajo Wasserhövel verwies im Gespräch mit dem Deutschlandfunk darauf, dass Steinmeier "diese ganzen Fragen" zum Kompetenzteam am Donnerstag auf einer Pressekonferenz beantworten werde.
Allerdings gibt es auch Durchhalteparolen: "Ulla Schmidt hat schon viele Mal mit Vorurteilen leben müssen", sagte Parteichef Franz Müntefering am Rande der SPD-Wahlkampfkonferenz in Hannover. Sie sei sturmerprobt: "Das ist eine gestandene Frau, die wird das bestehen, da bin ich ganz sicher." Sie habe schließlich auch die Beschimpfungen wegen der Honorarreform bei den Ärzten über sich ergehen lassen.
Misslich ist so eine Affäre aber in jedem Fall: "Das sind so Geschichten, die dann manchmal auch da reinkommen", sagte Wasserhövel. Wichtig sei, dass Schmidt klar gemacht habe, sie habe sich korrekt verhalten. Ob das dem Wahlkampf hilft? Die SPD startet irgendwo bei 25 Prozent und muss bis zum Wahltag noch mächtig aufholen, wenn sie nach dem 27. September weiter in der Regierung mitmischen will. Eine Ministerin, die mit dem Dienstwagen in Urlaub fährt, ist auf den ersten Blick der Öffentlichkeit nur schwer vermittelbar.
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