30.06.2010
Die Nachfrage nach Arbeitskräften hat nach BA-Angaben fast das Vorkrisenniveau erreicht.
Die Nachfrage nach Arbeitskräften hat nach BA-Angaben fast das Vorkrisenniveau erreicht.
Foto: Getty

Aufschwungsignal

Arbeitsagentur peilt Drei-Millionen-Marke an

Die sinkenden Arbeitslosenzahlen machen die Bundesagentur für Arbeit sehr optimistisch. Ende des Jahres könnten weniger als drei Millionen Menschen ohne Job sein, glaubt BA-Chef Weise. Volkswirte halten das für ein wenig zu optimistisch.

Die Bundesagentur für Arbeit hält am Jahresende weniger als drei Millionen Arbeitslose für möglich. "Die Chance ist da", sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise bei der Vorstellung der Arbeitsmarktdaten. Grund für den Optimismus sind die aktuellen Daten vom deutschen Jobmarkt. Saisonbereinigt ging die Arbeitslosenzahl in Deutschland im Juni um 21.000 auf 3,230 Millionen zurück.

"Die gute Arbeitsmarktentwicklung der letzten Monate hat sich auch im Juni fortgesetzt", sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Grund dafür sei die anhaltende wirtschaftliche Erholung. Entlastet werde der Arbeitsmarkt nach wie vor durch Kurzarbeit, hieß es. Diese werde aber längst nicht mehr so stark in Anspruch genommen wie auf dem Höhepunkt im Mai 2009.

Einige Experten gehen allerdings nicht davon aus, dass sich die Erholung auf dem Arbeitsmarkt im gleichen Tempo fortsetzt. "Ich rechne gegen Ende des Jahres bei der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl eher mit einer Seitwärtsbewegung", sagte Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld. Auch Steffen Henzel vom Münchner ifo-Institut geht mittelfristig von einem Abflauen der Aufwärtsentwicklung aus. In den Unternehmen gebe es immer noch Anpassungsbedarf.

Dekabank-Volkswirt Andreas Scheuerle warnte vor übertriebenen Hoffnungen. "Wir erwarten, dass wir die Drei-Millionen-Marke nicht nehmen werden", sagte er. Auch VP-Bank-Experte Jörg Zeuner ist skeptisch: "Die anstehenden Sparmaßnahmen zur Sanierung der Staatshaushalte in der Eurozone trüben den Ausblick bereits wieder etwas ein." Ein erneuter Nachfragerückgang könnte sich auch negativ auf die Beschäftigung auswirken.

Vorerst weisen die Indikatoren aber auf eine Erholung hin. Die Zahl der Erwerbstätigen kletterte im Mai erstmals seit einem Jahr wieder über den Vorjahreswert. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes waren im Mai 40,2 Millionen Menschen erwerbstätig. Das waren saisonbereinigt 61.000 oder 0,2 Prozent mehr als im April. Bereits in den vergangenen sechs Monaten hatte sich der Rückgang der Erwerbstätigkeit kontinuierlich abgeschwächt.

Auch die wachsende Arbeitskräftenachfrage in der Wirtschaft weist auf den Aufschwung hin. So kletterte der Beschäftigungsindex der Bundesagentur (BA-X) im Juni um 3 auf 158 Punkte. Die Kräftenachfrage hat damit nach BA-Angaben fast das Vorkrisenniveau vom Oktober 2008 erreicht. Etwa jede dritte Stelle werde von Leiharbeitsunternehmen angeboten.


Quelle: ftd.de
© 2010 capital.de

Was die Leser sagen

Siegfried Bauer
30.06.2010 | 12:46
Des einen Leid - des anderen Freud

Durch die Konjunkturstrohfeuerpakete in Asien erleben wir derzeit tatsächlich einen Nachfrageschub.
Aber wie lange wollen und können die Staaten noch gepumptes Geld für Konjunkturstrohfeuerpakete (incl.Bankster) ausgeben? In den letzten zwei Jahren weltweit ca. 30 Billionen Dollar!!! ... ohne einen selbsttragenden Aufschwung auszulösen.
Bleiben wir in DE. Ca. 7,5 Millionen Bürger sind auf staatliche Hilfen angewiesen. Ob H4-ler, Aufstocker, oder 1Euro Jobber.
Diese Zahl sollte im Vordergrund der Informationsübertragung durch die Medien stehen, nicht die griechischen Statistiken zu den Zahlen der Arbeitslosen.

Aber noch ist es nicht so schlimm wie in den USA. Die meisten haben es bereits aufgegeben, nach einem Job zu suchen und fallen schon aus der Statistik raus. Offiziell 9%, tatsächlich schon über 20%, in manchen Städten bereits über 40%. Tendenz rapide steigend!! Seit Mitte 2007 ist das Perpetuum-Mobile in den USA zum Stillstand gekommen – unserem Exportland Nr.1 – Leben auf Pump, die Rechnung zahlen die anderen. Doch damit wurde 20 Jahre lang die Weltwirtschaft am Laufen gehalten.
Jetzt sitzen die Bankster weltweit auf über 600 Billionen Dollar absolut wertloser Papierschnipsel, mit denen die Amis ihre Importe bezahlten.
Das Spiel ist aus. Wir können zwar unseren Export nach Asien massiv ausweiten, doch den Lohn dafür müssen wir gleich an die EU zur Stützung bankrotter Staaten abführen. Ein Rückgang der Arbeitslosenzahlen bei uns - da freuen sich schon andere darauf, auf ihren Scheck.
Wo ist die Pointe des derzeitigen, erfreulichen Aufschwungs?

(Kommentare 1-1 von 1)

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Quelle: FMH-Finanzberatung
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