Wahnsinn, sensationell - das deutsche Wirtschaftswachstum im Frühjahr 2010 bringt selbst die Ökonomenzunft ins Schwärmen. Zahlen des Statistischen Bundesamtes über das Bruttoinlandsprodukt sorgen für den ungewohnten Gefühlsausbruch. Danach ist die Wirtschaft im zweiten Quartal so stark gewachsen wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr.
Boomende Exporte und steigende Investitionen ließen das Bruttoinlandsprodukt um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal steigen, teilten die Statistiker mit. "Der zum Jahreswechsel 2009/2010 ins Stocken geratene Aufschwung der deutschen Wirtschaft hat sich damit eindrucksvoll zurückgemeldet", lautet ihr Fazit.
Deutschland ist damit der Wachstumskrösus in der Euro-Zone. In Frankreich legte das BIP im zweiten Quartal nur um 0,6 Prozent zu. Das kriselnde Spanien verzeichnete ein Plus von 0,2 Prozent, während sich die griechische Volkswirtschaft bedingt durch das Sparprogramm der Regierung auf Talfahrt befindet. Minus 1,5 Prozent meldeten das dortige Statistikamt. Die Exportnation Deutschland profitierte dagegen überdurchschnittlich von der Erholung der Weltwirtschaft. Neben dem Außenhandel zogen aber auch die Investitionen der Unternehmen deutlich an. Zudem hätten die privaten und staatlichen Konsumausgaben beigetragen, schrieben die Statistiker.
Der Aufschwung fiel damit kräftiger aus als selbst von Optimisten prognostiziert. Vor allem der Außenhandel feierte nach dem Krisenjahr 2009 ein Comeback, das in erster Linie durch die Nachfrage aus Asien und dort insbesondere China getragen wurde. "Die deutsche Konjunktur boomt dank globaler Nachfrage", sagte Dekabank-Volkswirt Andreas Scheuerle. Das Wachstum sei aber breit angelegt. Der Konsum sei wieder im positiven Bereich und die Unternehmen investierten wieder in Ausrüstungen.
Das Tempo des Aufschwungs versetzt auch die Ökonomen in Euphorie. "Da fällt mir nur noch ein Begriff ein: Sommermärchen", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Und Unicredit-Experte Alexander Koch sprach von "Wahnsinn". Auch Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) ließ sich von der guten Stimmung anstecken. "Von einem Wachstumswunder kann man nicht sprechen", sagte er. "Aber wir erleben derzeit einen Aufschwung XL."
Die Wachstumprognose der Bundesregierung werde nach oben korrigiert werden, kündigte der Minister an. Die Dynamik lasse nun für das Gesamtjahr 2010 ein Wachstum von "weit über zwei Prozent" in den Bereich des Möglichen rücken. Bisher erwartet die Regierung für das Gesamtjahr ein Plus von 1,4 Prozent. Im Krisenjahr 2009 war das Bruttoinlandsprodukt preisbereinigt mit 4,7 Prozent so stark eingebrochen wie noch nie seit Gründung der Bundesrepublik.
















