Vielleicht hat Barack Obama ihn ja auch nur falsch verstanden. Oder einfach nicht richtig zugehört, als Paul Volcker dem US-Präsidenten neulich zum Frühstück erklärt hat, wie der die Finanzmonster und überhaupt das ganze verdammte System zähmen soll. Später erläuterte Obama der Presse beherzt die revolutionäre "Volcker-Regel", nach der Schluss ist für Großbanken mit Eigenhandel, Hedge-Fonds und allerlei Teufelszeug, das die Welt an den Abgrund geführt hat. Der entsprechende Gesetzentwurf liegt jetzt beim Kongress.
Verständlich wäre es, wenn Volckers Worte bei Obama falsch angekommen wären. Denn zu verstehen ist tatsächlich kaum etwas, wenn der inzwischen 82-jährige Präsidentenberater munter und fast ohne die Lippen zu bewegen drauflos nuschelt - ein Klangbrei, der jede Dolby-Surround-Technik in die Knie zwingt. So wie am Samstagabend im Berliner Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten, den Horst Köhler für einige Stunden an die American Academy vermietet hat, damit die ihrem Ehrenstipendiaten Volcker einen würdigen Rahmen für dessen Vortrag zur Finanzmarktregulierung geben kann.
Eigentlich ist Volcker ein Mann von gestern. Von 1979 bis 1987 leitete er die US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Fotos von ihm gab es bis vor Kurzem nur in schwarz-weiß. Sein Brillengestell ist wohl das gleiche wie damals, auch seinen verknautschten Anzug hat er souverän in die Neuzeit hinübergerettet. Volcker erinnert an Walter Matthau, die kauzige Hollywoodlegende, die ihren Lieblingsfilmpartner Jack Lemmon mit nonchalanter Schlampigkeit zur Weißglut trieb und ein spätes Comeback feierte. Eigentlich ist Volcker das genaue Gegenteil des jungen, eleganten Medienprofis Obama.
Und doch ist der Ex-Fed-Chef der Mann, der für den Präsidenten tatsächlich und nicht etwa wegen eines Akustikunfalls das Wall-Street-System vom Kopf auf die Füße stellen soll. Das macht er bei seinem Berliner Auftritt deutlich. "Wir können nicht mehr zulassen, dass große Finanzinstitutionen vom Steuerzahler geschützt werden", sagt Volcker. Laut Redetext zumindest.
Im Publikum hört Kurt Viermetz, Ex-Aufsichtsratschef der in letzter Minute notverstaatlichten Pleitebank Hypo Real Estate (HRE), aufmerksam zu. Ob er sich angesprochen fühlt? Vielleicht hat er ja Glück und versteht Volcker nicht. Der will für Großbanken im Krisenfall "schnelle Begräbnisse, keine langen lebenserhaltenden Maßnahmen" wie bei der HRE. Die Bestattung solle eine "Abwicklungsbehörde" übernehmen. "Das wäre eine Sache von Tagen, wenn nicht Stunden: Die Behörde liquidiert oder fusioniert das entsprechende Finanzinstitut, schmeißt das Management raus, die Aktionäre verlieren ihr Geld, die Gläubiger werden nach ihrer Rangordnung bedient, wenn überhaupt."


















