Die jüngste Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar wird von einer Reihe von Ökonomen in Deutschland begrüßt. "Der schwächere Euro wirkt als Wachstumsstimulanz", sagte Holger Fahrinkrug, Chefvolkswirt bei der WestLB. Insbesondere die stark von Exporten getragene deutsche Volkswirtschaft profitiere von der Abwertung der Gemeinschaftswährung.
Wertet der Euro gegenüber anderen Währungen ab, verbilligen sich die europäischen Produkte für die Käufer außerhalb des Währungsraums. Anfang Dezember 2009 notierte die Gemeinschaftswährung noch bei rund 1,50 Dollar. Jetzt steht der Euro bei etwa 1,35 Dollar.
Zuletzt mehrten sich in der Öffentlichkeit die Sorgen über eine Euro-Schwäche. Nach Ansicht von Peter Bofinger, Mitglied des Sachverständigenrats, ist die Euro-Abwertung aber eher ein Problem der USA als der Euro-Zone, weil sie die Exporte der Amerikaner erschwere. "Ein Wechselkurs von 1,20 Dollar bis 1,30 Dollar ist vernünftig", sagte er.
Die jüngste Euro-Abwertung wird zu einem gewissen Teil der Aufregung um Griechenland und dessen Schuldenanstieg zugeschrieben. Allerdings erklärt diese Debatte den Einbruch des Euro-Kurses gegenüber dem Dollar nur unzureichend. "Das ist zu einfach", sagte Ulrich Leuchtmann, Devisenstrategiechef bei der
Commerzbank. "Der Wechselkurs von 1,50 Dollar war aus fundamentaler Sicht nicht gerechtfertigt."
Auch andere Ökonomen halten den Absturz des Euro nicht für schädlich. "Aktuell ist der Euro fair bewertet", sagte Stefan Bielmeier, Chef des Frankfurter Researchteams der
Deutschen Bank. Auch Fahrinkrug von der WestLB hält den derzeit schwächeren Euro-Kurs für fundamental gerechtfertigt.
Nach Ansicht anderer Ökonomen dürfte der Druck auf den Euro demnächst außerdem nicht abnehmen. So erwartet Karsten Junius von der Dekabank in den kommenden drei bis sechs Monaten keine Erholung des Euro.
Einen Schritt weiter geht Commerzbanker Leuchtmann: "Die US-Wirtschaft wächst schneller als die Euro-Zone. So wird die amerikanische Notenbank auch ihre Zinsen tendenziell früher als die EZB anheben", sagte er. Seiner Ansicht nach ist der Euro noch immer überbewertet. "Langfristig sehen wir den fundamental gerechtfertigen Gleichgewichtskurs des Euro bei etwa 1,20 Dollar", sagte er. Dieser Wert dürfte zwar nicht in diesem Jahr, aber wohl 2011 erreicht werden.


















