11.02.2010
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Die Kurzarbeit trägt nur zum Teil zum relativ stabilen deutschen Arbeitsmarkt bei.
Die Kurzarbeit trägt nur zum Teil zum relativ stabilen deutschen Arbeitsmarkt bei.
Foto: Getty

Beschäftigung

Wird Deutschlands Jobwunder zum Vorbild für Amerika?

von Andreas Große Halbuer, Claudio De Luca, Thomas Jahn, Sabine Muscat

In der Krise verloren fast acht Millionen Amerikaner ihren Job. Hierzulande traf es bisher nur 200.000 Beschäftigte. Liefert ausgerechnet der viel gescholtene deutsche Arbeitsmarkt eine Blaupause für die USA?

Irgendwann im Frühsommer legt sich urplötzlich eine gespenstische Ruhe über die Hightech-Dreherei Rees auf der Schwäbischen Alb. Wochenlang schweigen die Telefone. Kaum ein Kunde lässt sich blicken. Immer weniger Ladungen mit den silbrig glänzenden Spindeln und Wellen für die Auto- und Maschinenbauindustrie verlassen das Werksgelände. Inhaber Thomas Rees versteht die Welt nicht mehr: "Kann es sein, dass niemand mehr unsere Produkte braucht?"

Es kann. Der Umsatz bricht um 70 Prozent ein, die Maschinen stehen beinahe still, Arbeiter sind ohne Arbeit. Man muss kein Kaufmann sein, um zu begreifen: Das geht nicht lange gut.

Das Jobduell in Zahlen
Deutschland liegt vorn
Bei allen Unschärfen der internationalen Beschäftigungsstatistik: Deutsche Arbeitnehmer kommen besser durch die Krise als ihre US-Kollegen – noch.

Ausdauer Deutschlands Unternehmen halten die Zahl ihrer Beschäftigten bislang noch fast konstant. Und das, obwohl die Wirtschaftskrise das Land härter trifft als die USA. Besonders augenfällig ist der Unterschied bei Berufseinsteigern: In Amerika ist mittlerweile jeder fünfte unter 25-Jährige ohne Job – der Anteil ist fast doppelt so hoch wie vor der Krise und wie hierzulande.

Der Familienbetrieb aus dem Örtchen Wehingen auf dem Heuberg hat viele Rezessionen kommen und gehen sehen. Doch diese Krise im Rezessionsjahr 2009 ist anders. Schneller. Unberechenbarer. Aggressiver. Sie kann ein etabliertes Unternehmen vom Markt pusten wie ein Windstoß ein Blatt Papier vom Tisch.

In seiner Not schickt Rees mehr als die Hälfte der Belegschaft in Kurzarbeit. Vielleicht, so seine Hoffnung, verzieht sich der Sturm so schnell, wie er gekommen ist. Und tatsächlich: Im September und November kommen Aufträge rein. Im Dezember ist fast schon wieder die komplette Mannschaft zurück im Betrieb, sogar zwischen Weihnachten und Neujahr wird gearbeitet, so viel ist zu tun. Jetzt muss er sogar Aufträge ablehnen. "Ohne Kurzarbeit", sagt Rees, "hätten wir die Krise nicht überlebt."

Das kleine Wunder auf dem schwäbischen Heuberg ist Teil eines Phänomens, das Ökonomen und Kommentatoren aus aller Welt verblüfft nach Deutschland blicken lässt. Ausgerechnet der deutsche Arbeitsmarkt beweist in der Krise erstaunliche Nehmerqualitäten. Sie lassen sich am besten mit zwei Zahlen beschreiben: Während die Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr um fünf Prozent zurückging – der schärfste Einbruch seit dem Zweiten Weltkrieg –, verloren nur etwa 200.000 Menschen ihre Jobs.

Amerikas Unternehmen fackeln mit Entlassungen nicht lange

In den USA ist es genau umgekehrt. Obwohl die Wirtschaft mit einem Minus von 2,5 Prozent vergleichsweise glimpflich davonkam, rutschten im vergangenen Jahr 3,9 Millionen Amerikaner in die Arbeitslosigkeit. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nehmen die Schlangen vor den Ämtern kein Ende.

7,7 Millionen Beschäftigte hat es seit Ausbruch der Krise erwischt. Die Erwerbslosenquote stieg auf gut zehn Prozent, den höchsten Wert seit 25 Jahren. Zählt man all jene mit, die die Stellensuche aufgegeben haben oder nur geringfügig beschäftigt sind, haben 27 Millionen Amerikaner keine vernünftige Arbeit.


Was die Leser sagen

Siggi40
11.02.2010 | 12:00
Deutsche Nehmerqualitäten. Jobwunder als Vorbild?

Einmal im Monat veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit (BA) die amtliche Arbeitslosenstatistik. Leider sind die meisten Medien so unkritisch, diese "Mutter aller Statistikmanipulationen" wie Regierungssprecher zu verbreiten.
Wenn man den amtlichen Monatsbericht der BA (Beispiel: BA-Monatsbericht Januar 2010) aufmerksam liest, sind dies die offiziellen Zahlen:
Arbeitslosengeld 1: 1.377.524 Arbeitslose
Arbeitslosengeld 2 (Hartz IV): 4.923.784 Arbeitslose
ALG 1 + ALG 2: 6.301.308 Arbeitslose
(nicht in dieser Rechnung enthalten: Sozialgeldempfänger, u.a. Kinder und Jugendliche)
Zum Vergleich die offizielle Arbeitslosenzahl, die die Medien verbreiten: 3.617.000
Weitere Fakten
1.543.888 Arbeitslose wurden zu "ausgewählten Maßnahmen" (sinnlose Trainings) gezwungen und nicht in der Statistik mitgezählt. Davon wurden 244.000 Menschen wurden zu 1-Euro-Jobs genötigt.
1,366 Mio. Menschen gingen für so wenig Geld arbeiten, daß es finanziell keinen Sinn macht. Da ihr Einkommen sogar unter ALG 2 liegt, erhielten sie als "Aufstocker" die Differenz zum ALG 2. Das heißt:
1,366 Mio. Menschen arbeiten für weniger als durchschnittlich 856 € monatlich (bei einer Haushaltsgröße von durchschnittlich 1,9 Personen sind das nur 450 € monatlich pro Person). Wirklich erwerbstätig kann man solche Taschengeldjobs nicht nennen. Daher sind auch sie arbeitslos im Sinne von "keine Arbeit, von der man leben kann".
Hinzu kommen noch mehrere Millionen Menschen, die keine Arbeit haben und gleichzeitig auch keinen Anspruch auf ALG 2 (z.B. arbeitslose Frauen und Männer, die in einer "Erwerbsgemeinschaft" leben, aber auch unter-25-Jährige mit "Stallpflicht) sowie unfreiwillige Frührentner.
Apropos Frührentner: Bei 64-jährigen Männern liegt die Arbeitslosenquote bei 95%, bei 64-jährigen Frauen bei 97%. (mehr)
Wenn man alle zählen würde, die gern arbeiten würden, wenn es für sie Arbeitsplätze gäbe, von denen sie leben können, kommt man leicht auf über 15 Mio.
Ein Kommentar aus der SZ von SandraBeltane.

(Kommentare 1-1 von 1)

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Festgeld (12 Monate)1,81%0,75-3,16%
Sparbriefe (4 Jahre)1,89%0,60-3,50%
Girokonto (Dispo)11,24%5,50-14,50%
Ratenkredite (36 Monate)6,96%4,70-11,61%
Quelle: FMH-Finanzberatung
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 Quelle: vwd netsolutions GmbH
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