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Thomas Mayer, neuer Chefökonom der Deutschen Bank.
Thomas Mayer, neuer Chefökonom der Deutschen Bank.
Foto: Bloomberg

Norbert-Walter-Nachfolger

"Märkte sind oft irrational"

Der neue Chefökonom der Deutschen Bank sieht seine eigene Zunft kritisch: Thomas Mayer im Interview über Volkswirte in der Krise und gute Prognostiker.

Seinem Vorgänger Norbert Walter wurde vorgeworfen, zu viele Interviews zu geben. Das will der neue Chefökonom der Deutschen Bank, Thomas Mayer, anders machen. Seit er im Amt ist, hat er sich mit Äußerungen zurückgehalten.



Der bisherige Deutsche-Bank-Chefökonom Norbert Walter hat mit spektakulären Prognosen und Forderungen oft Schlagzeilen gemacht. Wollen Sie da mithalten?

Wir sind nicht miteinander vergleichbar. Wir stammen aus einer anderen Generation von Ökonomen. Als wir Ende der 1970er-Jahre beim Kieler Institut für Weltwirtschaft zusammengearbeitet haben, war er Abteilungsleiter und ich Frischling. Später bin ich in die Investmentbranche gewechselt, und er ist zur Deutschen Bank gegangen.

Norbert Walter hat gern auch politisch provoziert.

Thomas Mayer

ist seit Anfang Januar neuer Chefökonom der Deutschen Bank. Nach Tätigkeiten am Kieler Institut für Weltwirtschaft und beim Internationalen Währungsfonds in Washington wechselte der 56-Jährige 1990 in die Privatwirtschaft. Über die Stationen Salomon Brothers in Frankfurt und Goldman Sachs in London kam er 2002 zur Deutschen Bank.

Künftig will der promovierte Volkswirt die beiden Research-Abteilungen des größten deutschen Geldhauses unter einheitlicher Leitung führen. Das bedeutet für seinen Alltag, dass er zwischen London und Frankfurt pendeln muss.

Durch meine lange Arbeit im Investment orientiere ich mich stark an den Kapitalmärkten und habe weniger die Sicht eines Wirtschaftspolitikers. Ich habe zudem mein halbes Berufsleben in Großbritannien und den USA verbracht. Da geht man ohnehin pragmatischer an Probleme heran. Letztlich geht es darum, vernünftige Prognosen zu machen. Wie man dahin kommt und mit welcher wirtschaftspolitischen Überzeugung, ist nicht so wichtig - Hauptsache, man liegt richtig.

Spielt das Weltbild keine Rolle?

Es ist wichtig, sich unvoreingenommen aus dem Fundus der Wirtschaftswissenschaften zu bedienen, wenn man eine bestimmte Situation verstehen will. Für eine gute Prognose braucht man neben statistischen Modellen außerdem viel Fingerspitzengefühl. Es geht nicht um die Frage, was sein soll, sondern was sein wird. Obwohl natürlich jeder Volkswirt Grundüberzeugungen hat. Die verliert man nicht, wenn man Prognosen macht, aber man relativiert sie im Laufe der Zeit.

Den Ökonomen wird vorgeworfen, die Krise nicht vorhergesagt zu haben. Sind Volkswirte mit so etwas überfordert?

Ich habe in 20 Jahren Berufserfahrung gelernt, bescheiden zu sein. Aber Prognosen können Anhaltspunkte geben, wohin die Reise geht, und schaffen somit einen Mehrwert. Gute Prognostiker haben schon im Sommer 2008 vor der Rezession gewarnt, als deutsche Politiker noch abwiegelten.

Stecken die Ökonomen nicht in einer tieferen Legitimationskrise?

Gefunden bei
ftd.de

Ja. Die Verantwortung von Ökonomen für die Krise wird sogar erstaunlich wenig diskutiert. Für viele Menschen ist klar, dass die Banken einiges falsch gemacht haben. Aber die intellektuelle Basis, auf der sich die Regulierung der Finanzmärkte entwickelt hat, kam von Ökonomen. Das gilt auch für die Geldpolitik und das Risikomanagement der Banken. Nur die Banken zu schelten ist so, als ob Sie einen Jumbojet bauen, in dem Teile falsch konstruiert sind, und anschließend dem Piloten vorwerfen, dass er das Flugzeug gegen die Wand geflogen hat.

In den USA üben Ökonomen sehr offen Selbstkritik. Sind deutsche Wissenschaftler da sturer?

Mag sein. Es gibt aber auch in den USA etablierte Ökonomen, die ihre Doktrin noch immer mit Zähnen und Klauen verteidigen. Dabei müssten bestimmte Paradigmen dringend korrigiert werden, wie etwa die Annahme effizienter Märkte und rationaler Erwartungen. Da gibt es viele Rückzugsgefechte. Im angelsächsischen Raum versuchen viele Forscher jetzt allerdings zu ergründen, wie stark das Wirtschaften von Emotionen und Gefühlen geleitet wird. Diese Forschungen haben sich nach dem Platzen der Internetblase bereits auf der Mikroebene etabliert. Im Sog der Finanzkrise entstehen jetzt auch Modelle, in denen der Einfluss psychologischer Faktoren auf die gesamte Wirtschaft analysiert wird.


von Thomas Fricke und Mathias Ohanian




 
 
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Quelle: FMH-Finanzberatung
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 Quelle: vwd netsolutions GmbH
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