11.01.2010
Im dritten Quartal 2009 übertrafen die deutschen Ausfuhren nach China das Vorjahresquartal um 14,4 Prozent.
Im dritten Quartal 2009 übertrafen die deutschen Ausfuhren nach China das Vorjahresquartal um 14,4 Prozent.
Foto: dpa-PA

Exporte

Wie die Deutschen vom Aufschwung in China profitieren

von Andreas Große Halbuer

Für die Exportwirtschaft ist China augenblicklich eines der wenigen Länder, in denen überhaupt noch etwas geht. Ein knappes Jahr nach dem scharfen Einbruch erreicht der Nachfragesog aus China bereits neue Rekordwerte. Welche Branchen derzeit profitieren.

Monatelang ging es dem schwäbischen Anlagenbauer Dürr miserabel. Kaum noch Neugeschäft, Umsatzeinbruch, Kurzarbeit, Kündigungen: Der Weltmarktführer für Lackierstraßen reagierte mit den leidlich bekannten Symptomen auf den weltwirtschaftlichen Infarkt. Doch jetzt hat Dürr offenbar das Schlimmste überstanden. Und das hat sehr viel mit Asien zu tun. Genauer gesagt: mit China.

Drei fette Aufträge mit einem Volumen von insgesamt 140 Millionen Euro aus China lassen Management und Belegschaft ruhiger schlafen. "Monatelang standen die Auftraggeber auf der Bremse", sagt Dürr-Chef Ralf Dieter, "jetzt spüren wir endlich eine Belebung."

Für die Exportwirtschaft ist China augenblicklich eines der wenigen Länder, in denen überhaupt noch was geht. In den ersten drei Quartalen steigerten deutsche Unternehmen ihre Chinaexporte um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Insgesamt sind die deutschen Exporte in diesem Zeitraum um 22 Prozent zusammengeschmolzen.

Der Blick auf die Quartalsstatistik zeigt, wie stark der Nachfragesog aus China – ein knappes Jahr nach dem scharfen Einbruch – wieder ist. Im dritten Quartal 2009 übertrafen die deutschen Ausfuhren nach China das Vorjahresquartal um 14,4 Prozent, meldet der Ostasiatische Verein (OAV), eine deutsch-asiatische Unternehmensvertretung. Das entspricht einem Warenumschlag von 9,8 Milliarden Euro – ein neuer Spitzenwert.

Natürlich, Nachholeffekte und staatlich entfachte Nachfrage durch gigantische Konjunkturspritzen haben diesen Rekord erst ermöglicht. Aber die Frage nach dem Warum dürfte für die Exporteure zweitrangig sein – Hauptsache, die Chinesen bestellen wieder. "China ist im Augenblick der Leuchtturm im weltwirtschaftlichen Dunkel", sagt OAV-Geschäftsführerin Monika Stärk.

Das gilt besonders für die arg gebeutelte deutsche Autoindustrie. Sie kämpft auf westlichen Märkten gegen eine lähmende Absatzflaute. Nur in China zeigt sich ein umgekehrtes Bild. Dort kommen die Hersteller mit ihrer Produktion kaum nach. Beispiel BMW. Das Werk im Nordosten des Landes produziert bereits am Anschlag. Schon im Oktober 2009 hat BMW die Gesamtstückzahl von 75.000 verkauften Autos aus dem Jahr 2008 erreicht. Wegen der starken Nachfrage will der Autobauer nun zusammen mit seinem chinesischen Partner Brilliance ein zweites Werk hochziehen. Investitionsvolumen: Mehr als eine halbe Milliarde Euro. Mit der neuen Fabrik wäre das Tandem in der Lage, 100.000 Fahrzeuge pro Jahr auf die Straßen zu schicken.

Die Autobauer starten durch

Die Konkurrenten blicken ebenfalls zufrieden gen Osten. Volkswagen hat in den ersten neun Monaten 2009 etwa eine Million Autos verkauft – ein Plus von 37 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für die Wolfsburger ist China längst Absatzmarkt Nummer eins. Auch Daimler schaffte in den ersten drei Quartalen einen satten Anstieg von 52 Prozent.

Neben den Autobauern setzen vor allem Technologieunternehmen ihre Hoffnungen auf China. Siemens etwa rechnet mit Aufträgen in Höhe von zwei Milliarden Euro aus dem chinesischen Konjunkturpaket.

Selbst die krisengeschüttelte Chemieindustrie registriert in Asien eine Erholung. Die konjunkturabhängige Material-Science-Sparte von Bayer muss in allen Regionen Umsatzrückgänge einstecken. Nur im Asien-Pazifik-Raum verkauften die Leverkusener mehr als im Jahr 2008. Im chinesischen Schanghai wird Bayer Material Science gut zwei Milliarden Euro investieren, mehr als in jeden anderen Auslandsstandort.

Trotz aller Freude über die starke Belebung aus Fernost: Die asiatischen Bestellungen allein können die Probleme der deutschen Exporteure allenfalls entschärfen, nicht aber lösen. Denn fast zwei Drittel der Güter liefern die Deutschen in ihre europäischen Nachbarländer. Immer noch sind beispielsweise die Niederlande oder Frankreich wichtigere Abnehmer als die Volksrepublik.


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