Der private Konsum wird zum Hemmschuh für die Erholung der Wirtschaft. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes schrumpften die Ausgaben der Verbraucher im dritten Quartal um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Der Konsum war damit der einzige Bremsfaktor für die ansonsten wieder anziehende deutsche Wirtschaft. Auf dem Höhepunkt der Krise galt der Konsum als stabilisierender Faktor. Doch nach dem Auslaufen der Abwrackprämie fällt dieser Effekt weg.
Insgesamt wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Zeitraum Juli bis September um 0,7 Prozent. Damit bestätigte das Statistikamt eine frühere Schätzung. Es war der stärkste Anstieg seit eineinhalb Jahren. Die Investitionen der Unternehmen und der wieder erstarkte Export führten die deutsche Wirtschaft auf den Wachstumspfad zurück.
Die Bauinvestitionen erhöhten sich im Sommerquartal um 1,5 Prozent. Auch die Ausgaben für Maschinen, Fahrzeuge und andere Ausrüstungen legten mit 0,8 Prozent spürbar zu. Der Export von Waren stieg um 4,9 Prozent. Außerdem stockten die Unternehmen ihre Lager auf - das allein trug 1,5 Prozent zum Wachstum bei. Experten werten das als Hinweis darauf, dass sich die Firmen auf eine steigende Nachfrage vorbereiten.
Bankenvolkswirte gehen auch für die weitere Entwicklung von einem ähnlichen Muster aus. Der Export profitiere von der Erholung des Welthandels, während der private Konsum auch wegen der steigenden Arbeitslosigkeit weiter schwächeln wird. "2010 dürfte der Konsum als Konjunkturstütze ausfallen", sagte Ralph Solveen von der Commerzbank. Die Firmen kämen um Entlassungen nicht herum, wenn die Wirtschaft im kommenden Jahr nur um 1,5 Prozent wachse, meinte Dekabank-Ökonom Sebastian Wanke.
Bereits im Frühjahr war die Wirtschaft nach einem Jahr Rezession wieder gewachsen - um 0,4 Prozent. Zu Jahresbeginn hatte es mit minus 3,5 Prozent den stärksten Rückgang seit Beginn der Statistik 1970 gegeben, weil die globale Finanzkrise dem Exportweltmeister besonders zusetzte und die Nachfrage nach deutschen Produkten einbrechen ließ.
Wie stark die Wirtschaft trotz der Erholung immer noch unter den Folgen der weltweiten Finanzkrise leidet, zeigt der Vergleich mit dem dritten Quartal 2008: Hier brach das Bruttoinlandsprodukt - die Summe aller in Deutschland hergestellten Waren und erbrachten Dienstleistungen - um 4,7 Prozent ein. Die fünf sogenannten Wirtschaftsweisen rechnen ebenso wie die Bundesregierung für das Gesamtjahr mit einem Minus von 5,0 Prozent. Das wäre der stärkste Rückgang in der Geschichte der Bundesrepublik. Für 2010 sagt der Sachverständigenrat ein Wachstum von 1,6 Prozent voraus und sind damit etwas optimistischer als die Regierungsprognose von 1,2 Prozent.
Quelle: ftd.de
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