Die schwerste Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik ist zu Ende. Die deutsche Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal überraschend um 0,3 Prozent im Vergleich zum ersten Vierteljahr, wie das Statistische Bundesamt in einer Schätzung mitteilte. Zuvor war die Wirtschaft vier Quartale in Folge geschrumpft. Der Euro schnellte nach Bekanntgabe der Daten nach oben. Er notierte zuletzt bei 1,4263 Dollar, nachdem er zuvor bei 1,4210 gelegen hatte.
"Die Rezession ist vermutlich zu Ende. Wir kommen in eine Phase der Stabilisierung und des leichten Wachstums", sagte Christian Dreger vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). "Die Frage ist, wie dauerhaft das ist", sagte Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden Württemberg. "Wir haben viele Probleme nicht gelöst, insbesondere ist der Bankensektor nach wie vor auf den staatlichen Schutzschirm angewiesen. Solange nicht geklärt ist, dass die Kapitalbasis der Banken robust ist, können wir nicht davon ausgehen, dass die Krise vorbei ist." Japan sei ein mahnendes Beispiel."
Der Unsicherheitsschock, der nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers im September 2008 eingesetzt habe, sei abgeebbt, sagte Commerzbank-Chefvolksswirt Jörg Krämer: "Die Unternehmen holen Investitionen nach."
Im ersten Quartal 2009 war die deutsche Wirtschaft noch tief in die Rezession gestürzt: Das Bruttoinlandsprodukt sank in den ersten drei Monaten 2009 um 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Das war der größte Rückgang seit Beginn der Berechnung amtlicher Quartalsergebnisse im Jahr 1970.
Dennoch steht die deutsche Wirtschaft wegen des dramatischen Einbruchs schlechter da als vor einem Jahr. Im Vorjahresvergleich sank das BIP um 7,1 Prozent, kalenderbereinigt allerdings nur um 5,9 Prozent.
Experten warnen deshalb vor Euphorie. "Das Risiko bleibt ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit", sagte DIW-Konjunkturchef Dreger. "Sollte im Herbst Kurzarbeit verstärkt in Entlassungen umgewandelt werden, dämpft das die Löhne und den Konsum." Die Bundesregierung und führende Institute rechnen bislang für 2009 mit einem Minus von sechs Prozent.
Positive Daten kommen auch aus Frankreich, einem wichtigen Handelspartner Deutschlands: Von April bis Ende Juni ist das BIP auch hier um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gestiegen, sagte die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde. Die Wirtschaft in Frankreich ist damit zum ersten Mal seit einem Jahr wieder gewachsen.
Zum Anstieg in Deutschland trugen im zweiten Quartal 2009 der private Verbrauch, die staatlichen Konsumausgaben sowie die Bauinvestitionen bei. Auch der Außenhandel stärkte das Wachstum, obwohl wegen der Flaute in der Weltwirtschaft die Nachfrage nach deutschen Exportgütern sank. Da die Importe aber stärker zurückgingen als die Exporte, gab es einen positiven Beitrag des Außenhandels. Viele Unternehmen bremsten das Wachstum, weil sie ihre Lager abbauten.
Die Wirtschaft kommt überraschend schnell aus dem Tal, viele Volkswirte hatten für das Frühjahr einen weiteren Rückgang des BIP prognostiziert.
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