Herr Turner, die Diskussion um Menschenrechtsverletzungen in China wurde durch die Erdbebenkatatrophe und durch die Fußball-Euphorie zur EM vorübergehend verdrängt. Jetzt, nur wenige Wochen vor dem Start der Olympischen Spiele, rückt die politische Frage wieder in den Vordergrund. Haben deutsche Olympia-Sponsoren, die ja nach den Tibet-Unruhen stark in der Kritik standen, die Verschnaufpause richtig genutzt?
Turner: Die Sponsoren haben klugerweise versucht, ihre Angriffsfläche zu verkleinern. Das mindert das Risiko, in der Öffentlichkeit bloßgestellt zu werden und wird mit dem für sie bitteren Nebeneffekt erkauft, dass sie ihre Olympia-Investitionen zu einem erheblichen Teil abschreiben können.
Was heißt das konkret?
Turner: Es heißt, Champagner abbestellen! Alle Formen von überbordendem Luxus verbieten sich. Führen wir uns vor Augen, was wäre, wenn wir hier im Rheingraben so ein Erdbeben gehabt hätten: Kaiserstuhl weg, Karlsruhe weg, der Kölner Dom in Trümmern – und wir haben hier Fußballweltmeisterschaft. Die Fanmeile hätte man da wohl besser abgesagt. Hoffentlich auch die WM … Bei Sponsorenfeiern lässt sich leicht auf den Champagner verzichten.
Was wird aus den Werbeauftritten?
Turner: Wer im deutschen Fernsehen in Olympia-Werbeinseln wirbt, etwa mit der Botschaft "Kauf doch mal diesen Rasierschaum, damit rasiert sich auch das Gewichtheberinnenteam aus dem Kaukasus", der hat nicht dieses Problem. Eine andere Geschichte ist es, wenn Sie Sponsor sind und im Mittelpunkt der Kommunikation stehen: Wir sind hier ganz dick drin im Olympia-Geschäft. Es ist schwer vorstellbar, dass man im Westen diese Botschaft einfach so aufnimmt, ohne nachzufragen, ob man sich für die Erdbebenopfer einsetzt und welchen Standpunkt man in Bezug auf Menschenrechtsfragen wie Tibet einnimmt.
















