10.07.2008
Atomkraftwerk
Atomkraftwerk
Foto: dpa

Kernkraft

Was der Ausstieg aus dem Atomausstieg bringt

In der Großen Koalition wird mal wieder über die Zukunft der 17 deutschen Kernkraftwerke gestritten, die nach dem Ausstiegsbeschluss der rot-grünen Regierung rund gerechnet innerhalb der nächsten 15 Jahre vom Netz gehen sollen. Dabei drängt sich die Frage auf: Was bringen längere Laufzeiten bestehender Atommeiler?

Die Antwort gibt der Energieexperte Wolfgang Pfaffenberger: mindestens 40 Milliarden Euro.

Rein rechnerisch könnte damit der Strompreis um ein Cent pro Kilowattstunde gesenkt werden. Für Privatkunden entspricht das einer Entlastung in Höhe von fünf Prozent; die Industrie, die ihren Strom billiger bezieht, würde sogar zehn Prozent sparen.

Pfaffenberger, Professor an der privaten Jacobs Universität Bremen, legt seiner Rechnung folgende Annahmen zugrunde: Statt der im rot-grünen Atomausstieg festgelegten Laufzeit von 32 Jahren dürfen die Meiler 40 Jahre lang betrieben werden, was technisch ohne großen Aufwand machbar ist und betriebswirtschaftlich lukrativ: Steuerlich abgeschriebene Meiler produzieren spottbilligen Strom. Heute liegt der Preis für eine Kilowattstunde Atomstrom dreieinhalb bis fünf Cent unter dem Großhandelspreis für Strom an der Leipziger Börse. Pro Jahr produzieren die Meiler 140 Milliarden Kilowattstunden, das ergibt einen Preisvorteil von mindestens fünf Milliarden Euro. Und das acht Jahre lang. Macht zusammen 40 Milliarden Euro.

Wohlgemerkt: Diese Rechnung ist konservativ. Wenn sich Gas und Kohle weiter verteuern, steigt auch der Preisvorteil des Atomstroms gegenüber diesen Energieträgern. Relativ dazu sind die steigenden Uranpreise vernachlässigbar. Zudem benötigen Gas- und Kohlekraftwerke im Rahmen des EU-weiten Emissionshandels für die Betriebserlaubnis teure CO2-Zertifikate, während Atommeiler quasi CO2-frei sind. Und auch die Preise für CO2-Zertifikate werden wegen der politisch gesteuerten Verknappung künftig weiter steigen.

Die mit längeren Laufzeiten gewonnen Milliarden würden zunächst die Versorger einsacken, in erster Linie die vier Großproduzenten Eon, RWE, Vattenfall und EnBW. Doch diese könnten zumindest einen Teil davon gleich wieder ausgeben, zum Beispiel um den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzutreiben. Bereits Ende 2005 bot Eon-Vorstand Walter Hohlefelder als Präsident des Deutschen Atomforums der Regierung im Namen der Branche einen Forschungsfonds an. Sein Vorschlag wurde hinter den Kulissen verhandelt – und scheiterte damals am Widerstand der SPD.

Doch jetzt ist ein solcher Deal nicht mehr ausgeschlossen: Zumindest hat sich SPD-Umweltminister Sigmar Gabriel der Position von CDU-Kanzlerin Angela Merkel ein Stück weit angenähert: Man könne über die Laufzeiten neu reden, sagte Gabriel. Seine Bedingung: Im Gegenzug müsse ein Neubauverbot verfassungsrechtlich verankert werden.


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Quelle: FMH-Finanzberatung
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